Druckschrift 
5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
307
Einzelbild herunterladen
 

That ein Schnippchen zu schlagen vermag. Die Leute,welche meinen, daß man einem politischen Geguer mit derLogik allein an den Leib könne, gehören mehr der Schuleals dein Leben an.

Hätte Bismarck au der liberale!? Überlieferung desBürgertums nachhaltig den kräftigen Widerstand gesnnden,den ihm der Katholizismus, das feudale Junkertum unddie Sozialdemokratie eutgegeugesetzt habeu, er würde auchmit dem Liberalismus seinen Frieden gemacht haben. Dennwir wissen aus seinen Handlungen und ans seinen aus-drücklichen Bekenntnissen, daß auch er, wie so viele großePraktiker, das richtige Kompromiß für die Seele der Politikansah. Sein Sturz selbst bestätigt diese Wahrheit. ImKampf mit der katholischen Kirche hatte er zwar deren Wider-standskraft unterschätzt, aber uoch im letzten Augenblick durchNnterwerfnng sich gerettet; deu Kampfmit der Sozialdemokratiehätte er vielleicht noch eine Weile fortsetzen können; aberin der Schätzung des Widerstandes, ans den er in Wilhelm II. stieß, hat er sich gründlich verrechnet und ist daran ge-scheitert. Bon den Kaisern Wilhelm I. und Friedrich ausden verschiedensten Ursachen verwöhnt, hat er das energischeSelbstbewußtsein des jungen Monarchen, der ihneu folgte,zu gering veranschlagt und seine Linien falsch gezogen.Hätte er gewußt, wie die Dinge innerlich stehen, er hätteohne Zweifel auch diesmal seine Anstalten anders getroffenund sich noch an seinem Platz gehalten. Daß ihm daranlag, konnte man zwar denken, aber es hat etwas Beruhigendesfür deu gewöhnlichen schwachen Sterblichen, daß, wie ansseinem jetzigen Gebahren nachträglich so flagrant hervorgeht,auch der Gewaltige sich uicht gekannt hat. Denn es istgewiß uicht bloß Komödie gewesen (etwas Komödie gehörtzum Geschäft), wenu er manchmal meinte, er sei gesättigtan Macht und Ruhm uud sehne sich nach der Beschaulichkeit

20*