Druckschrift 
5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
314
Einzelbild herunterladen
 

^

314

Untersuchung zu Gunsten des Kompromisses gesagt ist, nichtüberwiegend als letzte» Eindruck bestehen zu lassen.

Ich habe hier von vornherein nicht die Absicht gehabt,die Gedanken des Morleyscheu Buches iu ihrem Gang zuversolgeu. Man müßte zuviel davon wiedergeben, wennman den ohnehin gedrängten, knappen Inhalt richtig wür-digen wollte. Die ganze Darstellung ist so lebendig, sosachlich, so vou Wahrhaftigkeit der Überzeugung durchdrungenund so schlicht, wie man dies selten in Politisch-Philo-sophischen Schriften anderen als englischen Ursprungs findet.

Nur einen einzigen Satz möchte ich dem Sinn nachausdrücklich herausheben, weil er mir der wichtigste vonallen und für die Geschichte unserer deutschen Parteientwick-luug der letzten zwanzig Jahre beherzigenswert zu seinscheint, nämlich diesen: Es ist nicht möglich, abstrakte Regelnzu geben für die Bezeichnung der Grenze, wo das richtigeKompromiß aushört und das unrichtige anfängt. AberEins läßt sich mit Bestimmtheit formnlieren. Wer einKompromiß zwischen seiner Überzeugnng und der Machtder gegebene» Thatsachen schließt, darf dabei seine Über-zeugungen nicht vergesse», »och verleugne». Das Bewußt-sei» des »ur einstweiligen Verzichtes mit dem Streben nachder vollen Erfüllung muß ihm stets vor Auge» bleiben. -Man hat sich gegenüber der nationalliberalen Partei inihrer gute» Zeit, da sie diesem Name» noch Ehre machte,oft lustig gemacht über Abstimmungen, welche in der drittenLesung unter den« Druck der Umstäude fahren ließen, wasin der zweiten noch behauptet worden war. Da5 warlauge das Schlimmste nicht. Demi solch eine Unterwerfungtrug noch ihren Stachel und ihre Mahnung i» sich.Schlimm wurde die Sache erst, als die Partei sich so weitrückwärts entwickelt hatte, das; sie schmerzlos ohne Kampfund ohne Versuch eiues uach dem andern von vornherein