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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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zur Klippe geworden, an der sein Fahrzeug scheitern sollte;und der Bootsmann, den er, als seinen Nächsten dem Bluteuach, auch für den Sichersten hielt, das Steuer an seinerStelle zu führen, ließ das Fahrzeug in der Berbteudetheitseines uuerhörteu Glückes auf den Felsen zutreibe», ohuedie Nähe der Gefahr zu ahnen.

Meiu verstorbener Freund Friedrich Kapp erzählte mirim Anfang der siebeuziger Jahre den Inhalt eines Ge-spräches, das zwischen ihm und dem Reichskanzler in dessenPalast stattgefunden hatte. Es war das erste Mal, daß ervom Fürsten empfangen wurde, der sich iu der liebens-würdig bestrickenden und geistsprudelnden Weise, die er ent-falten konnte, wenn er wollte, mit ihm namentlich über dieamerikanischen Zustände nuterhielt. Als Kapp gelegentlichdie Äußerung that, auch iu den Bereinigten Staaten seider Fürst als der erste aller Diplomaten anerkannt, warfihm dieser ein, auf seine diplomatische Überlegenheit thueer sich gar so viel uicht zu gute, seine wahre Stärke liegedarin, daß er ein vollendeter Höfling sei. Aus anderenMitteilnugen weiß man, daß er dieser seiner geschicktenStrategie auf dem glatten Boden des HofeS seinen größtenund nur mit uueudlicher Ausdauer durchgesetzten Triumphzuschrieb, nämlich den König Wilhelm zu dem Entschlußdes Bruchs mit Österreich gebracht zu haben. Aber diebeinah dreißigjährige Übnng dieser unstreitig vollendeteilKnnst, unter deu uämliche» Persönlichen und durch das zu-nehmende Alter des Königs immer bequemer gewordenenUmständen hatte ihre schädliche Wirkung nicht verfehlt.Auch in den traurigen nennundneunzig Tagen leisteteDank dem hilflosen Znstande des unglücklichen Monarchen die alte Maschinerie noch ihre Dienste. Der vom Zaungebrochene Lärm der Batteubergiade mit der wilden Ent-fesselnng der gegen den sterbenden Kaiser besonders mutigen