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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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H.

Mitten n»s dem Born der Freuden steigt etwasBitternis herauf". Selbst ein Gegner »nd gerade am meistenein Gegner des großen Kanzlers mußte empfinden, daß dieArt, wie dieser zu Falle kam, dem politischen ZustandeDeutschlauds uicht gerade zur Ehre gereicht. Lag auch eintiefer Sinn in der wunderbaren Weudung, welche die un-sichtbaren Mächte, heißen sie nuu Fatum oder Nemesis,herbeigeführt hatten, so war doch die Selbstbestimmung,welche das unbestrittene Besitztum aller anderen westeuro-päischen, großen oder kleinen, Nationen ist, bei diesem Akteder Gerechtigkeit leer ausgegangen. Etliche Monate, nach-dem der deutsche Diktator gefallen war, ereilte das gleicheGeschick seinen italienischen Nachahmer. Doch, wie anderswirkt dies Zeichen auf mich ein! Bei uns ein Machtsprnchvon oben, dort das Berdikt der Volksvertretung. Mindestensein halbes Jahrhundert politischer Entwickluug liegt zwischendieser uud jener Gangart der Staatsgeschäfte. In Italien wnßte man, daß CriSPi den Fürsten Bismarck nicht langeüberleben werde; er hatte das Meiste seines Nimbus ausdessen Protektion gesogen. Über Crispi's Eigenwert imAuge seiner Landslente scheint Heuer die deutsche Diplo-matie in sonderbarer Täuschung gelebt zu haben; sonst wäreder neue Kauzler uicht so gewaltig für desseu Person mitWort und That eingetreten, hätte ihn nicht gewissermaßenausschließlich mit der Tripelallianz identifiziert, was jeden-falls nicht der Vorsicht entsprach.

Hatte dies Crispi auch bei deu Wahlen genntzt, sonützten ihm die Wahlen selbst nicht lange. Er hatte vordenselben alles Mögliche versprochen, besonders im Punkteder Sparsamkeit wir wissen in Deutschland ein Liedvon diesem Sparsamkeitsplatonismus zu siugeu, aberals es zu Thaten kam, war das Lied aus wie bei uns.