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Nachfolgern allen, die doch nur Diadochen sein können,wird man dessen nie sicher sein.
Das deutsche Parlament ist das einzige in der Welt,in welchem die Minister und ihre Vertreter mit dem Säbelan der Seite erscheinen und mit der Hand aus dem Degen-knauf ihre Redcu halte«. Bei etwas lebhaften Regungenin der Debatte geschieht es auch, daß unwillkürlich dieseStützung der Hand aus dem Schwertgriff sich zn einer charak-teristischen Geberde gestaltet. Auch diese Eigentümlichkeitunserer repräsentativen Zustände entbehrt nicht des tiesenSinnes. Im Gegenteil, sie ist noch viel bedeutungsvollerals der 8tv.oc?o cki lu^tro, von dem man behauptet, daß ersich leicht loslöse uud bei Erschütterungen den Abgeordnetenans die Köpfe fallen könne.
ES ist viel darüber geklügelt worden, warum FürstBismarck seiner Erscheinung in Staatsgeschäften die stereo-type Gestalt des Reiteroffiziers gegeben habe. Er selbsthat gelegentlich in Privatgesprächen allerhand untergeordneteZweckmäßigkeitsgründe dafür angeführt. Aber er wußtesehr wohl, warum er es iu Wirklichkeit that. Trotzdem derZauber seiner straft gewiß nicht in der Uniform lag, hatdiese ihm doch Dienste dabei geleistet, lind diese Äußer-lichkeit hat, wie Alles, was von ihm ausging, anch ihreWirksamkeit über das Ganze erstreckt. Ist eS nicht beispiels-weise sogar seinem Vorbilde zuzuschreiben, daß das Biersalonfähig bis in die höchsten Zirkel geworden? Seitdemin den letzten Zeiten die Frage einer Nachfolge Bismarcksaufgeworfen ivnrde, ward immer nnr der Name einesMannes mit Epauletten genannt, ehemals Feldmarschallv. Mantenffel, dann Waldersee. Vei dem engen Kreis, inwelchem sich unter solchen Anforderungen die Wahl bewegte,erscheint die deS Generals v. Caprivi, welcher schon Marine-minister gewesen war, weniger überraschend, als man auf