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Hilfe des Druckes von unten her. Und gerade die Sol-daten wissen das am besten, denn sie brauchen es ja ammeisten.
Gewiß war es ein Glück, daß Fürst Bismarck entlassenwurde. Aber daß es ein Glück war, daS eben ist das Un-glück. Denn ein Glück kann keinen inneren Schaden heilen,und ein Unglück wäre nie eines gewesen, wenn es mit einemraschen Glückszug überwunden werden könnte. Ein wahresUnglück besteht eben darin, daß es irreparabel oder doch nnrnach schweren Mühen nnd langen Zeiten zn überwinden ist.
Wäre Fürst Bismarck ein so großer Staatsmann imhöhereu Siuu geweseu, wie er Politiker und Diplomat war,so würde sich unter ihm in einem Nierteljahrhnndert uner-hörter Erfolge und unerhörter Popularität eine politischeGesittung entwickelt haben, stark genug, um ihu wie unsselbst gegen die Gefahr eines Sturzes durch ein bloßesMachtwort von oben zn schützen, und jedenfalls stark genng,nm ihm iu deu Reiheu eines Parlaments eine Stellung zusicher», so stark, so glänzend nnd so ehrenvoll wie auf demklanzlersessel. Alle die Gründe, die manche seiner Verehrerjetzt anführen, »in zn erklären, warum sie nicht dafür seien,daß er eine nene Wahl annehme, sagen nicht die ganzeWahrheit. Die Wahrheit ist die: daß in einem Parlament,dessen Stellung herabzudrncken und dessen Parteien zu zer-setzen er selbst die Hälfte seiner Krast aufgezehrt hat, derrichtige Platz für eine gestürzte Größe seiner Dimensionschwer zu finden ist. Und eben daß sich dies so verhält,ist zwar seine Strafe, aber anch unser Unglück.
Persönliche Macht, anch die bestinspirierte, ist eine un-berechenbare Größe. Jede Wohlthat, die von ihr ausgeht,ist eine Medaille, die auf der Rückseite die Möglichkeit ihresGegenteils trägt.