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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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sei das Weltgericht, trifft nur so weit zu, als die höchstenGerichte sich irren können. Und dann, was ist die Welt-geschichte? Je mehr sie forscht, desto unsicherer wird ihrUrteil; Richelieu uud Wallenstein, die beiden Namen, diehier nebeneinander stehen, was braucht es mehr, um daranzu erinnern, wie von der Parteien Haß uud Guust verwirrtdie Charakterbilder schwanken? Gerade je interessanter eswäre, sie zu erkenneu, desto weniger kommt das Urteil znmAbschluß. Man denke an Maria Stnart oder au DouCarlos! Alle paar Jahre wird die letzte Entscheidungmittelst neuer Hebel auf den Kopf gestellt.

Die Verehrer Bismarcks zu beruhige», ist nicht meinBeruf; aber ein unbefangenes Urteil zu gewiuueu, ist meinstilles Vergnügen. Nein, die vierzig Jahre großer poli-tischer Thätigkeit und welthistorischen Eingreifens werdenim Urteil kommender Geschlechter nicht zurücktreten hinterdie Wirkuug des Aktes, der sich jetzt auf der schmalen Bühnedes Privatlebens abspielt, auch wenn er der letzte ist, undder Vorhang dann für immer fällt. Nach einiger Zeitwird die Gesamtheit der Erscheinung wieder zu ihrer vollenGeltuug und zu ihrem höheren Recht kommen. Allerdingswerden dann auch die Eindrücke des eben abgelaufenenJahres bei Abwägung des Urteils ihr Gewicht mit in dieWagschale werfen, uud keiu leichtes; denn was diese Ein-drücke so bedeutsam macht, ist, daß sie viel stärker uud über-raschender auf die begeisterten Anhänger des Kanzlers ein-gedrungen sind als auf diejenigen, welche ihn seit längererZeit kühl, kritisch oder gegnerisch betrachtet hatten. DasInteressante au der Gesamtheit dieser Erlebnisse des letztenJahres ist, daß sie im Lager der Getreuen so viel Be-stürzung und Verwirrung hervorgerufen haben, daß sie daals etwas unbeschreiblich Neues, Unerhörtes angestauntworden sind. Daher jene, wenn anch mir im Stillen aus-