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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
359
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nicht seine Heiligtümer, sondern die seiner Schmeichler ent-weiht.

Es ist nicht uninteressant, angesichts dieses kuriosenErlebnisses an den Eintritt des jetzt hoffähig gewordenenLiedes in die Kriegsgeschichte zu erinnern. Die Annalender Revolution haben uns den Moment aufgezeichnet. Eswar am 29. September 1792, dem Tag, an welchem diedurch die berühmte Kanonade von Baimy neun Tage vorherdemoralisierten Verbündeten ihren Rückzug aus Fraukreichantraten, den König Ludwig, das Königtum uud allesHeilige, für das sie laut ihrer Manifeste ausgezogen wareu,seinem Schicksal überlassend.

Bis dahin hatte die französische Armee die Marseillaise noch nicht bei sich eingeführt. Noch am 14. bei Croix auxBois gegen die Österreicher und am 20. bei Valmh gegendie Preußen hatten die Soldaten nur das ^g. irs. gesungen.Aber an jenem 29. September waren in dem Hanptauartiervon Dampierre, welches Kellermann mit seiner Armee be-zogen, nm von da die Operationen gegen den Herzog vonBrannschweig uud den König von Preußen fortzusetzen, diedrei Kommissäre des Konvents, Carra, Prienr de la Marnennd Sillery erschienen, nnd es wurde ein großes Freudenfestin Szene gesetzt zu Ehren der eine Woche vorher proklamiertenAbschaffung des Königtums uud der eben verkündeten Re-publik. Zum ersten Mal ertönte hier im Lager dieHymuean die Freiheit" oder dieHymne der Marseilier", wie siedamals genannt wurde. Der alte Bandensührer Kellermann,welcher lange unter den Bourbonen gedient hatte, hätte das^Is vsura vorgezogen. Aber schon aus Paris war ihmdurch den Kriegsminister Servan bedeutet worden, daß esmit der Mode des ?o vvuiri vorüber sei.Man muß",heißt es iu dem Brief,etwas Nützlicheres an die Stellesetzen und das mehr znm öffentlichen Geiste Paßt"; nnd er