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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
362
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als in allen anderen Dingen gilt in Sachen der nationalenInteressen der Satz der Jesuiten ; hier gilt er sogar für einGebot der Pflicht. Ihnen war die Religion, oder richtigergesagt, die Kirche die Hauptsache, uud jede Hauptsache hältes für ihr Privilegium, daß die Moral sich nach ihr zurichten habe. Heute ist die Nationalität Weltreligion, mitdem Unterschied, daß die Kirche für die ganze Welt eineund dieselbe sein und Alle vereinigen wollte, wahrend dasPrinzip der Nationalität das der Trennnng und Aus-schließung ist. Insofern bezeichnet die moderne Natiouali-täts-Weltreligion einen Rückschritt gegen die katholische.Denn ein Prinzip, welches absolut richtig sein Null, darfnicht in widersprechende Anwendungen auseinander fallen.Wenn der Eine recht hat, Gott zu danken, daß er ihn zumFranzosen gemacht hat, so ist der Andere im Irrtum, daßer Gott dankt, ihn zu eiuem Russen oder einem Schweizer ,einem Deutsche« oder Eugläuder gemacht zu haben. Abersie haben doch Alle recht, denn die Einzige, welche sie störe»konnte, wäre die Logik, und wo hätte die jemals recht, alsauf derfreien Bühne"?

Ich bin weit davon entferut, die Bemühuugen, welcheauf friedensfreundlichen Kongressen ihre Stätte finden, zuverachten. Indem sie das Kreuz auf sich nehmen, denwohlfeilen Spott der Kraftmenschen über sich ergehen zulassen, bereiten sie doch, wenn auch mir von weitem, einebessere Welt vor. Hat doch sogar Moltke, welcher noch vorJahren den Krieg als eine weise und notwendige Einrich-tung der Weltregiernng rechtfertigte, in seinem soeben ver-öffentlichten Werk der letzten Jahre für angezeigt gehalten,die Schuld au den Kriegen von den gekrönten Häupternwegzuuehmeu uud auf die ihm unsympathischen Volksver-tretungen und Parteien zu übertragen. Jeder schiebt be-reits diese Schuld ans die, welche er nicht leiden kann.