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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Der Brüsseler Sozialistenkongreß hat sogar heransgcfnnden,daß dasKapital" die Kriege anzettele, das infame Kapital.O heiliger Dschengis-^lhan und Tamerlan steht uns bei!

Eine sehr passende Preisansgabe für die Bestrebungender Friedenskongresse wäre eine Untersuchung über die inter-nationale Moral. Denn daß es ein Völkerrecht giebt, wirdhellte nicht mehr bestritten. Aber die Völkermornl liegt nochsehr im Argen. Zum Beispiel. Weuu Jemand ein häß-liches Weib freit, nur weil sie reich ist, oder wenn er einenentfernten Verwandten zärtlich pflegt, weil er ihn zu be-erben hofft, so nennt man solche Menschen verächtlich Mit-giftsjäger oder Erbschleicher.

Aber wenn eine große demokratische Republik einemGewaltherrscher den Hof macht, um dadurch zur Wieder-eroberuug einer Provinz zn gelangen, so hat die Völker-moral ill der That nichts daran auszusetzen. Es wäredurchaus falsch, hierin etwas spezifisch Französisches znfinden. Französisch ist daran nur die Geschicklichkeit, ausder Not eine Tugend zu macheu, mit einer Grazie, die vonsich selbst entzückt ist. Aber jede andere Nation verfährtnach derselben Manier. Nicht bloß, daß es noch keineinternationale Moral giebt, es giebt sogar noch nicht ein-mal eine internationale Heuchelei. Im Gegenteil, mankönnte sageu: der oberste Grundsatz der nationalen Morallautet: du mußt Alles für recht erklären, was deine Nationthut, nnd Alles für unrecht, was andere Nationen thnn.

Ist nun auch sonnenklar, warnm die nationale Moralder französischen Republik zur Pflicht macht, das russischeZarentnm anzuschwärmen, so ist es schon weniger einfach,zn erklären, warum daS letztere so heiße Gegenliebe empfindet.Denn eS ist doch nicht so dumm, au die Uueigeuuützigkeitder ihm geweihten Minne zn glauben. Ob wirklich derGedanke an ein Kvmpagniegeschäft zu Grunde liegt oder