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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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in Anspruch genommen. Und ganz niit Recht, denn derSteuerzahler, der zu neun Zehnteilen selbst mit des LebensNotdurft zu kämpfen hat, ist zu dem Einwand berechtigt,daß ihm das Hemd naher ist als der Rock. Dennoch wäreeher noch ihm solche übel angebrachte Großmut zuzutrauenals den Staatsmännern, welche sich dieser Schönseligkeitbedient haben, um Geldbewilliguugcn für ihre verfehltenKolonialfeldzüge durchzusetzen. Es hat mich stets höchstwunderlich angemntet, wenn ich den Fürsten Bismarck oderden Grafen, seinen Sohn, im Reichstag so schmerzbewegteReden über die afrikanischen Gräuel führen hörte, als obihren weichen Gemütern darüber die Nachtruhe geraubtwürde; und selbst zu den Herren von Wißmann und Petersstehe ich Gott verzeih' mir die Sünde! hierin nichtanders.

Es ist halt immer wieder die alte Geschichte: ?a,risvaut, disn uns iQssss. Als die Kolonialmanie, bei denEinen ehrliche Leichtgläubigkeit, bei den Andern PolitischeSpekulation, ans Ende ihres Lateins gekommen war, kamihr die Bekämpfung des Sklavenhandels gerade recht, umdaraus Kapital für Geldbewilligungen aus öffentlichenMitteln zu schlagen. Dem Einen aus diesem, dem Andernaus jenem Grund war aber die Fortsetzung der Kolonial-politik ein hoher Zweck, und nm dieses Zweckes willen einwenig gefühlvoller thun, als man in der That war, be-deutete nichts als die Bestätigung der Lehre, die den Je-suiten so schwer verdacht und in der Politik alle Tage an-gewandt wird. Die ueuerdiugs hinzugekommene Lotterieist nur eiue Verdoppelung desselben Rezepts. Sie machtdie Sache nicht tragischer, im Gegenteil herzlich komisch.Besonders in einer Zeit, da die agrarischen Volksbeglücker,welche nach wie vor thatsächlich über Deutschland herrscheu,den Mißwachs des Jahres 1891 dem Börsenspiel in die