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Schuhe schieben und in ihren Tages- und Wochenblätterndie tiefsinnigsten Studien darüber znm Besten geben, wieman das unmoralische Börsenspiel von Staatswegen mitFeuer und Schwert vertilgen müsse, ans daß in künftigenJahren die Wintersaaten nicht mehr erfrieren und damitdem Brvtesser die Nase auf die Ungeheuerlichkeit eines Ge-treidezvlles stoßeu. Nuu haben wir zwar ein gutes Zeug-nis dafür (obwohl wir es eutbehreu konnten), daß dieSpekulation zu den Notwendigkeiten deS Handels gehört,nnd mir scheint nicht einmal zu deu notwendigen Übeln,Der gegenwärtige Reichskanzler selbst hat das zugegeben,und er ist mit Zugestäuduisseu dieser Art uicht gerade ver-schwenderisch. Aber daß Lotteriespielcn notwendig sei, hatnoch niemals Jemand behauptet, uicht eiumnl, vaß eo auchmir ein notwendiges Übel sei. Es ist nur ein Übel, lindwenu das reine Spiel, welches die Lotterie ist, nicht reinunmoralisch wäre, so würde es nicht der Regel nach ver-boten, vom Strafgesetz mit Buße, vom bürgerlichen Gesetzmit Nichtigkeit gebrandmarkt sein.
Zwar einzelne deutsche Staaten, nnd merkwürdiger-weise auch der preußische, der uns als das Vorbild allersittlichen Zucht gepriesen wird, haben die Staatslvtterienerhalten; aber auch hier ist niemals geleugnet worden, daßdies ein verwünschter Fleck auf dein Ehreuschild sei. Nurhabeu die Staatsweisen immer wieder ihre Gründe vorzu-tragen, deren einzig ehrlicher doch ist, daß das Unwesenschönes Geld einbringt, ein hoher Zweck, der auch bedeutlicheMittel heiligt.
Das Reich ist schon moralischer als die Einzelstaaten.Die Reichsgesetzgebuug hat nicht mir die öffentlichen Spiel-hänser unterdrückt, sondern sie ist sogar so weit gegangen,die Prämienanleihen, welche Zinsen zahlen »ud das Capitalfrüher vder später zurückerstatte», iu ganz Deutschland zu