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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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gethan worden ist, der diesem traurigen Schauspiel gleich-gültigen Gehenlassens in so wichtiger Angelegenheit einEnde machte.

Es ist leider ein Charakterzug großer deutscher Unter-nehmungen, daß sie in Unfertigkeit stecken bleiben und ein-rosten. Trifft dies doch auch auf die Verfassung des Reichesselbst zu, welche auf dem Bilde der bundesstaatlichen Einheitdie lächerlichen Flicken der bayerischen nnd württembergischenReservatrechte und die diplomatische Selbstherrlichkeit derBundesfürsten zur Schau trägt, als wenn das etwas ganzNatürliches wäre. Und wie unsere großen Encyklopädienund Wörterbücher zuweileu mitten in der Arbeit steckenbleiben, so sollte nach der Laune des ersten Kanzlers auchdas bedeutendste und glücklichste Werk, welches die Gesetz-gebung des neuen Reiches unternommen hatte, mit einerkurzen Handbewegung zum Krüppel gemacht werden. Wasihn zu diesem Handstreich bewog, hat man in authentischerWeise niemals erfahren. Ohne Zweifel hat der Haß Bis-marcks gegen die Freihändler, welche auch die Urheber undVerteidiger der deutschen Münzreform waren, bei seinem An-griff auf letztere stark mitgespielt. Über den Anstoß zu dembestimmten Vorgehen, welches den vom Gesetz vorgeschriebenenSilberverkäufen mit einem Schlag ein Ende machte, ist einegewisse Enthüllung nie erzielt worden. Aber Indizien weisendarauf hin, daß interessierte Ratschläge einer vermeintlichsachverständigen, aber in der That höchst fragwürdigenBörsenautorität dabei ausschlaggebend gewesen sind. So istes gekommen, daß das große Deutsche Reich, welches mitseltenem Glück den richtigen Moment erwühlt hatte, um auStelle seiner elenden und gemeinschädlichen Münzzerfahren-heit eine gesunde Währung zu setzen, in den Ruf kam, ohn-mächtig in diesem Versuch stecken geblieben zu sein und vonseinen Feinden als abschreckendes Beispiel vernünftiger Re-