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Verfügung und deren Sinn. In den schnödesten, über-mütigsten Wendungen, mit welchen der damalige ReichskanzlerFürst Bismarck — jetzt selbst Abgeordneter — die Volks-vertretung je traktiert hat, antwortete dieser den Inter-pellanten, von denen jeder Einzelne durchaus Sachkennerwar, mit der ganzen Sicherheit stolzer Ignoranz, daß sieseine wohlgezogenen Kreise durch vordringliche und bös-willige Neugierde kreuzten. Den tiefen Sinn dieser ge-heimnisvollen Entrüstung mußte dann der zum Succursherbeigeschleppte Präsident der Reichsbank, Herr von Dechend,dahin aufklären, daß einzig und allein die bisherigen Ver-käufe des Deutschen Reiches am Niedergang des Silber-preises schuld seien, und daß, wenn dieses damit aufhöre,jener Preis sich wieder aufraffen und zu seiner alten Herr-lichkeit emporsteigen werde. Am Schluß der Rede fielenjene unvergeßlichen, überschwänglichen Worte, daß, wennder Reichstag sich hiermit einverstanden erklären wollte, derSegen des Auslandes über ihn kommen würde; gewiß einrührender Gedanke im Munde eines Eideshelfers des eisernenKanzlers.
Wie es damit geworden ist, weiß man.
Dreizehn Jahre sind seitdem vergangen; das DeutscheReich hat das Gelübde der Keuschheit nie gebrochen.*) Aberder Preis des Silbers, welcher damals auf dem Londoner Markt 51 Pence betrug, beträgt heute deren nur etwas über
Nur einmal wurde im Jahre 188S unter der Gunst besondererUmstände ein kleiner Betrag an Aegypten abgegeben, nämlich hundert-tausend Pfund fein Silber zu den Preisen von 47^ bis 46 Pence englischfür die Unze Standard. Der Gesamterlös brachte die Summe von6 898 002,72 Mark. Zum Verkauf wurde zunächst der Restbestand desReichs an Silberbarren (86 166 040 Pfund fein) verwendet. Das nochfehlende Quantum wurde durch Einschmelzung von 1248S00 Mark inVereinsthalern und 1 608 Mark in nicht mehr umlaufsfähigen Thaler-stücken gewonnen.