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39*), und der Verlust, den das Reich aus diesem Niedergangerleidet, beziffert sich zur Stunde auf beiläufig hundert Mil-lionen Mark — künftigen ungerechnet.
Doch so respektabel auch eine solche Summe ist, sieläßt sich verschmerzen gegenüber dem Glück, daß trotz allerMißgriffe und Anfeindungen das große Werk heute dochals in Sicherheit gebracht über allem Zweifel erhabendasteht.
Aber eben die versöhnende Gewißheit, daß der großeWurf doch gelungen ist, enthält auch die Aufforderung, nachder anderen Seite hin gerecht zu sein. Es hätte ja vielschlimmer kommen können! Fürst Bismarck ließ es genugsein mit dem einen großen Mißgriff, und wenn er ihn da-mit fortsetzte, daß er in den folgenden elf Jahren, trotzwiederholter Aufforderungen des deutschen Handelstags undtrotz aller Zeichen der Zeit, nicht auf den Weg des gesetzlichVorgeschriebenen zurückkehrte, sondern das Ende der Münz-reform in der Versumpfung stecken ließ, so scheute er sichdoch vor der viel größeren Unthat, das ganze Werk rückwärtsaufzulösen und Deutschland dem bimetallistischen Abenteuerrettungslos auszuliefern. Ob jemals die Versuchung dazuihn angewandelt hat, ist schwer zu sagen. Nur soviel istgewiß: lange Jahre hindurch schwebten die Freunde derMünzreform, auch solche, die noch in höheren Ämtern ge-blieben waren (viele waren dies allerdings nicht mehr) ingroßer Besorgnis, daß die agrarische Freundschaft und dieAntipathie gegen die Freihändler den Kanzler zu dem ver-hängnisvollen Schritte verleiten könnte. Seine bekanntlichim Verlaufe der Zeiten im Reichstag abgegebene Erklärung,daß er im Ungewissen über das Richtige schwebe — „vonli^ust," — war wohl aufrichtig, und das Gefühl der Ver-
*) Seit obigem Zeitpunkt ist der Preis noch weiter zurückgegangenund gravitiert um einen Stand von etwa 30' herum.