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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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wie wir sie ohne die fatale Maßregel des Frühlings 1879längst hätten. Nach Einziehung der österreichischen Thalerkönnte die Reichsregierung ganz unbedenklich die Reichs-goldwährung Proklamieren, d. h. die noch vorhandenenThaler zu Scheidemünze machen, wovon nicht mehr alszwanzig Mark bei großen Zahlungen angenommen zu wer-den brauchen. Eine logische Folge davon wäre, daß dieReichsbank in Zukunft den Stand ihres Metallvorrats nachGold und Silber getrennt allwöchentlich bekannt gäbe, wiees in allen zivilisierten und sogar nicht ganz zivilisiertenLändern geschieht.

II. Vie Münzreform in Österreich .

Wenn es, wie zu wünschen und auch zu hoffen ist,der österreichisch-ungarischen Monarchie gelingt, zu einernormalen, ans vollwertiges Metallgeld begründeten Geld-versassuug zu gelangen, so wird sie damit eine Periode un-zulänglicher und nachteiliger Zustäude schließen, die aufnicht weniger als hundertunddreißig Jahre zurückgeht.Gegen Ende des siebenjährigen Krieges im Jahre 1762wurde das erste Papiergeld, der sogenannte Bankozettel, ge-schaffen, ursprünglich ohne Zwangskurs und in mäßigenBeträgen, allmählich, infolge der endlosen Kriegsverwicklungenins Ungeheure, bis über eine Milliarde Gulden steigend.Als es nach den Kämpfen gegen das revolutionäre und daskaiserliche Frankreich zu dem großen Staatsbankrott desJahres 1811 kam, wurde die Milliarde Bankozettel auf denfünften Teil ihres Nennwertes reduziert, und auch für diesesFünfteil Papier wurden Einlösungsscheine an Zahlung ge-geben, welche unter dem NamenWiener Währung" wiederzn trauriger Berühmtheit gelangten. Nach dem Frieden