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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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Bebels Partei gelangt ist. Natürlich haben sich in glei-chem Maße mit dieser verbesserten Stellung und infolgeeiner begreiflichen Wechselwirkung die Manieren und dasVerhalten der sozialistischeu Mitglieder auch beträcht-lich umgestaltet. Selten noch, und dann nur von Neu-lingen unter ihnen, kommt es zu scharf herausforderndeilund beleidigenden Brandreden von ihrer Seite. Oftbringen sie Anträge von Wichtigkeit und mit reichen sach-lichen Belegen zur Debatte. Nicht wenige von ihnenzeichnen sich durch schöne Kenntnisse auf volkswirtschaft-lichem Gebiet und durch wohlgelungene Vortragsweise aus,während andere, wie z. B. der ehemalige SchiffskochSchwarz oder der Zigarrenarbeiter Molkenbuhr, öfter dasHaus durch eine gesunde, maßvolle und sachliche Dar-stellung fesseln. Sogar in ihrer äußeren Erscheinung isteine vorteilhafte Veränderung eingetreten, und wild ver-nachlässigte düstere Figuren, wie der ehemalige Hasselmannoder Most, beleidigen jetzt nicht mehr das Auge der Ver-sammlung; sie hat es mit ruhigen, anständigen Bürgern zuthun, die in ihrem Auftreten gar nicht an Barrikaden undStraßenkämpfe erinnern, sondern vielmehr ihre Freude anfriedlichem Leben im Schoß ihrer Familie verraten undsich im Genuß des von ihnen erlangten bedeutenden Rufeswiegen, ohne deshalb auf ihre sozialistischen Ansichten zuverzichten. Ein Franzose würde sagen: sont arrivks".Allerdings erhebt man dagegen den Einwurf, daß hinterdieser parlamentarischen Partei eine Masse steht, die keinenGrund hat, sich in ähnlicher Weise befriedigt zu fühlen,und die noch das Material für wilde und gierige Zer-ftörungslust liefert; daß im gegebenen Moment diese un-zufriedenen Elemente die Masse mit sich fortreißen und diegemäßigten Führer zur Seite drücken würden. Aber dieseBehauptung übersieht die augenblickliche Lage der Dinge;