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thatsächlich haben die gegenwärtigen fünfunddreißig Mit-glieder der Partei den größeren Teil ihrer Wähler hintersich, und ihr moralisches Übergewicht ist in keiner Weisegefährdet. Das beruht nicht bloß auf der Autorität unddem Einfluß, die sie erlangt haben, und auf ihren Fähig-keiten, sondern noch viel mehr auf dem Umstand, daß diegrößere Anzahl ihrer Wähler nicht einmal in ihren An-sichten so weit gehen wie die Erwählten; denn von 1 400 000sozialistischen Stimmen, die im Februar 1890 abgegebenwurden (eine größere Zahl als für irgend eine anderePartei), sind wahrscheinlich nicht mehr als die Hälfte wirk-liche Anhänger des sozialdemokratischen Programms, sonderneinfach Unzufriedene, welche gar nicht an den Umsturz dergegenwärtigen Gesellschaftsordnung denken.
Wenn die Partei zu einer gewissen Beruhigung undBefriedigung gelangt ist, so muß man übrigens nichtglauben, daß dies allein auf Selbstgefälligkeit und persön-licher Empfindung beruht; man hat ihnen tiefere und ge-wichtigere Gründe der Genugthuung geliefert; denn siehaben die Anerkennung ihrer Grundsätze in der Reichs-gesetzgcbnng erzielt und zwar in solcher Weise, daß für dieZukuuft es schwer sein wird, eine weitere Entwickelung insozialistischer Richtung zu verhüten, dies umsomehr, alsauch andere Nationen den Versuch angestellt haben, Deutsch-lands Beispiele zu folgen. Das erfahren wir z. B. durchdie Anträge, welche in den französischen und englischenParlamenten behufs gesetzlicher Versicherung der arbeitendenKlassen eingebracht worden sind.
Die deutschen Sozialisten sind vollständig im Rechtmit der Behauptung, daß sie es waren, welche den FürstenBismarck zuerst in die Richtung seiner sogenannten Sozial-gesetzgebung hineintrieben.