Druckschrift 
5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
425
Einzelbild herunterladen
 

425

Konsequenz darauf hinweisen konnten, daß die staatssozialisti-schen Pläne nur ihre eigenen Grundsätze zu Ansehen bringenmüßten. Auf diese Weise erreichten sie dreifache Vorteile,während Bismarcks Sozialpolitik in dreifachen Irrtum ver-fiel; doch war es nur das dritte Gesetz von der ganzenReihe, nämlich das für die Invaliden und die Alten,welches gänzlich auf das sozialistische Prinzip übertrat, in-dem es einen Staatsbeitrag stipulierte. Die Hauptangriffeder Opposition im Reichstage richteten sich daher gegendieses Gesetz, und sicherlich würde es nicht durchgegangensein, wenn nicht bei der Schlußabstimmung Fürst Bis-marck seinen überwiegenden persönlichen Einfluß in dieWagschale geworfen hätte, um die Annahme durch dasHaus zu drücken. Wahrscheinlich war er selbst im Stillenvon der Nützlichkeit dieses Gesetzes sehr wenig durchdrungen,und noch kürzlich äußerte er sich iu einer Privatunterhaltungdahin, daß er es für einen Mißgriff ansehe; aber er hattein so vielen salbungsvollen Reden seinen und des KaisersNamen mit der Herrlichkeit dieses Gesetzes und seinespraktischen Christentums" in Verbindung gebracht, daß zurErhaltung seines persönlichen Nimbus ihm auch sein Siegin der Gesetzgebung unentbehrlich erschien. Es ist nie seineSache gewesen, sich über die späteren Folgen von Maß-regeln, die im Augenblick ihm dienen konnten, viel Sorgezu machen. Trotzdem würde es ihm nicht gelungen sein,die zwanzig. Stimmen, welche den Ausschlag gaben, zu ge-winnen, wenn ihm nicht von ganz unerwarteter SeiteSucmrs gekommen wäre. Die katholische Partei, das soge-nannte Zentrum und insbesondere dessen Führer Windthorst,war durchaus Gegner des Gesetzes; aber der Vorsitzende derKommission von achtundzwanzig Mitgliedern, welche es inihren Beratungen annahm, der zweite nach Windthorst ander Spitze der Zentrnmspartei, nämlich Freiherr von