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Franckenftein, war ein Mann von hoher aristokratischerStellung und Haltung, wenn auch von mittelmäßiger Be-gabung, die er jedoch unter einer würdevollen Zurückhaltungzu verbergen die Geschicklichkeit hatte. Als Vorsitzenderder Kommission war sein Stolz darauf angewiesen, daßdas Gesetz, für das er sich erklärt hatte, auch durchgehe,vielleicht hatte er sich auch in den Glauben hineingeredet,daß hier etwas Großes geschehe, an das sich sein Nameheftete, und so gab er sich große Mühe, um möglichst vielStimmen für die Sache zu gewinnen. Es gelang ihm,zwölf bayerische Stimmen aus dem Zentrum für seine An-schauung zu erobern, und diese zwölf brachten die Sache zurEntscheidung. Hätten sie wie ihre übrigen Fraktionsmit-glieder gestimmt, so wäre das Gesetz durchgefallen. Aber-mals ein Beweis zu der Lehre, daß oft kleine Ursachengroße Wirkungen haben. Und so kam es, daß das DeutscheReich die Fahne des Staatssozialismns aufpflanzte, weildie Eigenliebe eines bayerischen Edelmanns darin ihre Be-friedigung fand.
Seitdem es mit dem Januar 1891 in Kraft trat, hates an Beschwerden über seine Anwendung nicht gefehlt,und man kann ruhig sagen, daß, wenn es heute wiedervor den Reichstag käme, vielleicht nicht vierzig Mitgliederdafür stimmen würden. Allerdings würden jetzt vielleichtdie Sozialdemokraten, welche einst dagegen stimmten, dafüreintreten; denn damals konnten sie sich noch, den Luxusgestatteu, andere dafür stimmen zu lassen, weil sie derMehrheit sicher waren und sich dabei für unbefriedigt er-klären konnten. Noch jüngst erklärten sie im Reichstag, siewürden jedem Versuch, das Gesetz rückgängig zu macheu,Widerstand leisten. Und das kann man ihnen ruhigglauben; denn sie sind die Einzigen, welche Ursache haben,damit zufrieden zu sein. Immerhin kann von einer Wieder-