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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
Entstehung
Seite
427
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beseitigung keine Rede sein; es wäre viel zu schwer, diezahlreichen Verpflichtungen komplizierter Art, welche bereitsaus dem Gesetz hervorgegangen sind, wieder rückgängig zumachen. Nur wenn im Laufe der Zeit die Schwierigkeitenunerträglich werden, und die Unkosten über Erwartenwachsen, wird man gezwungen sein, Abhilfe zu suchen.

Ein Gutes hat immerhin das Gesetz mit sich gebracht;denn aus dem Bedauern über seine Annahme und demGefühl eines Sprunges ins Dunkle oder, wie ein Ab-geordneter es noch besser bezeichnete, eines Sprunges ineinen hell erleuchteten Abgrund ist die festgewurzelte Über-zeugung erwachsen, vorerst auf diesem Pfade nicht weiterzu gehen. Man wird sich hüten, den Reichstag mit neuenVorschlägen für eine weit ausgedehnte Anwendung diesesVersicherungsprinzips heimzusuchen, und wenn solche Vor-schläge aus der Mitte des Hauses kamen, so würden siekaum Gehör finden. Überdies sind die Parteien, welchedamals dem Fürsten Bismarck zuliebe sich zur Annahmedes Gesetzes verstanden und am meisten dafür wirkten, jetztgeschwächt und abgenützt. Diese Pause in der sozialen Ge-setzgebung ist natürlich den Sozialdemokraten willkommen;denn sie schafft ihnen Raum, neue und unerfüllbare For-derungen aufzustellen, worauf gerade ihre Berechnung ammeisten gerichtet ist. Daher kann es in keiner Weise ihnennützlich erscheinen, sich auf Straßenunruhen zu verlegen,und Herr Liebknecht war offenbar aufrichtig, als er jüngstdem PariserFigaro" schrieb, die kürzlich vorgefallenenBerliner Straßenszenen seien ihm und seinen Freundenhöchst unwillkommen, und ihr Verdacht gehe dahin, daßsie von ihren politischen Gegnern angezettelt seien. Imübrigen hat niemand in Berlin diese Scenen ernst ge-nommen, und nur im Ausland, wo alle Straßenexzesse andie ehemaligen Pariser Barrikadenscenen erinnern, zogen sie