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5 (1897) Politische Schriften von 1879 bis 1892
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besondere Aufmerksamkeit auf sich. Straßengefechte undBarrikaden dieser Art sind ja längst überwundene Dinge;sie werden wohl niemals mehr über das Schicksal von Re-gierungen entscheiden. Mehr als je trifft das auf Deutsch-land zu. Die Gefahr eines großen Aufstandes ist für unseine unendlich geringe; dagegen besteht auf der anderenSeite eine viel größere Gefahr allmählicher Verschlechterungder Gesetzgebung durch den Einfluß sozialistischer Strö-mungen. Der Druck auf individuelle Freiheit, Verantwort-lichkeit, Selbständigkeit und Unternehmungsgeist, den dieRegierungsmaschinerie immer mehr ausübt, die ungemesfeneVermehrung des Beamtenwesens und der bureaukratischeuEinmischung, welche sich überall ins Leben eindrängt, allesdas muß mit der Zeit eine rückläufige Bewegung in Pro-duktiver Wirksamkeit und nationaler Bereicherung hervor-bringen. Dazu kommt noch, daß die produktive Arbeit derNation und des nationalen Kapitals zn gleicher Zeit durchdie der Sozialdemokratie entgegengesetze Aristokratie vonder anderen Seite nicht minder scharf bekämpft wird.

Seit dem Jahre, gegen Ende der siebziger, als FürstBismarck begann, die im Jahre 1867 mit den Mittelklasseneinverstandene Richtung einzuschlagen, hat er sich mehr undmehr wieder in das Lager der Junkerherrschaft zurückbegebenund systematisch den Zweck verfolgt, auf dem Wege der Ge-setzgebung dem Landadel des Nordens und des Ostens zuLasten der breiten Schichten des Volkes Vorteile zu ver-schaffen. Seinen Anstrengungen ist es gelungen, diesemLandadel wieder eine mächtige Stellung im Reichstage undim preußischen Landtage zu verschaffen, in welcher derselbeaus verschiedenen Gründen durch die Mitglieder der katho-lischen Partei sehr häufig unterstützt wird.

Ein Gesetz, wie das über die Branntweinsteuer z. B.,welches jährlich 4V Millionen Mark unter die Landeigen-