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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
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Rolle, die er im Deutsch-Französischen Kriege spielt. Gemein-sam mit dem Grafen Guido Henckel von Donnersmarck läßt ihnim Februar 1871 Bismarck nach Versailles kommen. Er ist hierführend an den Verhandlungen um die französischeKriegs-entschädigung beteiligt. Es ist aber nicht erwiesen, ob Bleich-röder die Summe von 5 Milliarden verlangt hat. Wenn es gelingt,diese bis dahin größte Finanzoperation der Weltgeschichte, die inder Übertragung dieser 5 Milliarden Francs von Frankreich nachDeutschland vor sich geht, so reibungslos durchzuführen, danndank der geschickten Mitarbeit Bleichröders. Hierbei kommenihm seine engen Beziehungen zu dem französischen Hause Roth-schild zugute. Da Bismarck sie kennt, betraut er Bleichröder mitdieser schwierigen Mission.In erster Linie soll Bleichröder insGefecht gehen, so soll sich, wie Busch erzählt, damals Bismarckgeäußert haben.Der muß gleich nach Paris hinein, sich mitseinen Glaubensgenossen beriechen und mit den Bankiers be-reden, wie das zu machen ist. Bleichröder setzt sich tatsächlichmit den Bankiers in Paris auseinander, und derFünfmilliardensegenergießt sich über das junge Deutsche Reich. Mit dem EisernenKreuz am weißen Bande kfehrt er in die Heimat zurück. Abereine noch höhere Gunstbezeugung des Kaisers wird ihm zuteil,der jüdische Bankier Gerson Bleichröder erhält ein bis dahinunerhörter Vorgang in Preußen am 8. März 1872 den preu-ßischen Adel.

Es ist eine merkwürdige Freundschaft, die zwei Menschenvon so verschiedenem Wesen und so ungleichem Temperamentverbindet, zwei Männer von so großer und doch so anders-artiger Begabung, wie Bismarck und Bleichröder. Bleichröderhat sicherlich dem großen Kanzler sehr viel zu verdanken, dennBismarck, der ein unbegrenztes Vertrauen in ihn setzt und ihmauch die Verwaltung seines Vermögens überläßt noch heuteist das Haus Bleichröder der Bankier des Hauses Bismarck,ebnet ihm vielfach die Wege. Aber umgekehrt verdankt auchder eiserne Kanzler manche Anregung dem klugen Rat seinesBankiers. Bismarck benutzt Bleichröders Verbindungen zu denRothschilds, um so Meldungen nach Paris gelangen zu lassen,die er auf diplomatischem Wege dorthin nicht übermitteln will.