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Da Bleichröder im Auswärtigen Amt ein und aus geht, ja un-angemeldet Zutritt zu Bismarck hat und sich, wie Keudell be-richtet, durchaus als „Hilfsarbeiter“ des Auswärtigen Amtesfühlt, können die beiden Männer viele politische Maßnahmenmiteinander besprechen, über die niemand sonst etwas erfährt.
Wie groß der politische Einfluß Bleichröders war, können wirauch den Denkwürdigkeiten des Fürsten Chlodwig zu Hohen-lohe-Schillingsfürst entnehmen. Sooft Hohenlohe in Berlin ist,unmittelbar nach dem Deutsch-Französischen Kriege als Reichs-tagsabgeordneter, dann als Botschafter in Paris, später als Statt-halter in Elsaß-Lothringen, sucht er Bleichröder auf oder speistmit ihm, um sich mit dem gewandten Finanzmann zu beraten,vor allem um von ihm Näheres über die Stimmung des großenKanzlers zu erfahren. Hohenlohe spricht zwar einmal etwasgeringschätzig davon, er habe Bleichröders „talmudische Weis-heit“ angehört, aber er notiert doch voll Erstaunen in seinemTagebuch, Bleichröder sei es, der an einer Reform der deutschenHandelsgesetzgebung arbeite, ja der aufs stärkste Bismarcks Zoll-politik beeinflusse. Er behauptet auch, Bleichröder mache dieWahlen, stürze den Minister Delbrück, und er spiele sich auchauf den Unterstaatssekretär hinaus. Wie geschickt Bleichröderauch auf politischem Boden zu arbeiten versteht, kann Hohen-lohe an sich selbst erfahren. Im Jahre 1879 wird er dem Kanzlervon Bleichröder als Nachfolger Bülows zum Staatssekretär vor-geschlagen. Kurz vor dem Sturz Bismarcks wendet sich derZentrumsführer Windthorst an Bleichröder, um durch seineVermittlung eine Unterredung mit dem Kanzler zu erbitten.So wird Gerson von Bleichröder allmählich auch in der hohenPolitik immer mehr zu einer tonangebenden Figur.
Kein Wunder, daß Angriffe über Angriffe diese Stellung desjüdischen Bankiers zu erschüttern versuchen. Besonders das Ver-trauensverhältnis, das Bismarck mit Bleichröder verbindet, wirdzum Ziel einer jahrelangen gehässigen Polemik. Zuerst leitetim Jahre 1875 der frühere Landrat von Diest-Daber einen Ver-leumdungsfeldzug gegen Bismarck ein. Er stellt die Behauptungauf, Bismarck habe seine Stellung benutzt, um sich zu be-reichern, vor allem um sich durch Bleichröder große Vermögens-