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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
178
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träge die Meere befriedet, wird zum Vorkämpfer des Weltfrie-dens. Die mächtigste Handelsflotte, die sein Werk ist, soll derVerbindung unter den Völkern dienen. Hamburgs größter Sohnverkörpert in seiner Lebensarbeit das Schicksal des Vorkriegs-deutschlands. Ballin ist eine der leuchtendsten Gestalten deswilhelminischen Zeitalters.

Die Abstammung mag bei Ballin mitgesprochen haben, umihn nicht den üblichen Weg des Händlers gehen zu lassen. Dennauch Samuel Joel Ballin, der Vater, hatte sich sein Leben hin-durch gequält, um es als Handwerker und Fabrikant vorwärts-zubringen, auch er ein Mann voll Unternehmungsgeist undWagemut. Auch Alberts Onkel Julius Joel Ballin war einFabrikant und betrieb in Mölholt bei Aalborg in der dänischenProvinz Jütland eine Seifenfabrik.

Samuel Joel Ballin kommt aus Dänemark, ist dort in Horsensan der Westküste Jütlands am io. März 1804 geboren, undwahrscheinlich 1832 nach Hamburg eingewandert. Die FamilieBallin stammt ursprünglich aus Süddeutschland, ist auch inParis nachweisbar. In Hamburg und in Altona waren Ballinsschon im siebzehnten Jahrhundert ansässig. Aber es ist nichterwiesen, ob die Familie, zu der Albert Ballin gehört, sich vondiesen Ballins ableitet. Samuel Joel Ballin unterhält zunächstin Billwärder eine Dekatierwerkstatt, hat aber mit Schwierig-keiten zu kämpfen, weil er damit alte Zunftrechte verletzt.Auch ein Haus, das er sich 1836 kauft, kann er nicht auf seinenNamen erwerben, da den Hamburger Juden die Zuschreibungvon Grundstücken damals noch nicht gestattet wird. Er darfaber dort von 1837 ab eine Wollfärberei betreiben, die sich anschei-nend gut entwickelt. Vater Ballin hatte im Jahre 1833 zum erstenMale geheiratet, war bereits 1840 Witwer geworden. Im Novem-ber 1841 geht er eine zweite Ehe mit Amalie Meyer, der Tochtereines wohlhabenden Hamburger Kaufmanns, ein. Es gilt, einezahlreiche Familie zu ernähren, denn zu den vier Kindern auserster, gesellen sich neun Kinder aus zweiter Ehe. Samuel JoelBallin versteht es, sich aus seiner kleinen Färberwerkstatt eineFabrik aufzubauen. Er verwendet die Dampfkraft, fährt alljährlichnach England, kauft dort neue Maschinen. Immer mehr Ham-