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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
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185
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liegt, so erklärt er,wie gesagt die Gefahr für die ausländischenReedereien, die dadurch der Möglichkeit ausgesetzt sind, daßihnen die Zufuhr aus dem amerikanischen Inlande abgeschnittenwird. In monatelangen Verhandlungen versteht es Ballin, dieamerikanische Gefahr zu beseitigen. Er fährt zuerst nach Lon-don, um die Stimmung seiner englischen Freunde zu erkunden.Da er weiß, daß mit der Finanzkraft Morgans niemand kon-kurrieren kann, versucht er, das Interesse des amerikanischenFinanzmagnaten für die deutschen Schiffahrtsgesellschaften da-durch mattzusetzen, daß er ihm zwar eine Aktienbeteiligung anden beiden deutschen Reedereien anbietet, aber sie auf je 25°/ 0festlegt und gleichzeitig eine gegenseitige Gewinnbeteiligungvereinbart. Für die endgültige Unterzeichnung des Abkommensbehält sich Ballin die Zustimmung des Kaisers vor, der die Ver-handlungen mit größtem Interesse begleitet und ihn nach SchloßHubertusstock kommen läßt.Der Schluß der Verhandlungenwar, wie Ballin in seinen Aufzeichnungen notiert,daß derKaiser sich mit dem Plan vollständig einverstanden erklärte undmir noch die Sorge für den Norddeutschen Lloyd auferlegte.Denn der Kaiser will, daß die beiden großen deutschen Schiff-fahrtslinien geschlossen auftreten. Mit Dr. Wiegand, demGeneraldirektor des Lloyd, reist Ballin Anfang Februar 1902nach New York. Am 20. Februar wird der Vertrag mit derMorganschen International Mercantile Marine Company unter-zeichnet.

Nachdem der amerikanische Schrecken gebannt ist, bringendie nächsten Jahre der Hapag einen weiteren Aufstieg. Von be-sonderer Bedeutung wird für sie der Russisch-Japanische Krieg.Man kann ihn fastals die Quelle einer Wiedergeburt bezeich-nen (Huldermann). Denn jetzt ist die Hamburg-Amerika-Linie in der Lage, eine große Reihe ihrer veralteten Dampferzu verkaufen. Zeitweilig sind 80 Dampfer für die Russen unter-wegs, um Kohlen nach Rußland zu transportieren. Neue Pool-besprechungen folgen. Eine Krisis, die infolge der stark gestie-genen Tonnage den Frachtenmarkt bedroht, erleichtert den Ab-schluß der langwierigen Verhandlungen. Im Februar 1908 wirdin London auf Ballins Initiative die Atlantikkonferenz, auch