wird er zunächst Bäcker, geht dreizehnjährig nach Amerika, woein Teil der Familie lebt, wird dann Farmer in den Südstaaten,kommt nach Tennessy bei Memphis und kehrt 1870 nach Deutsch-land zurück, um den Deutsch-Französischen Krieg mitzumachen.Er hat es in Amerika zu Geld gebracht und etabliert mit diesemVermögen seine Brüder Heinrich und Kaskel in Prenzlau als Alt-produktenhändler. Er selbst bleibt nur an ihrem Geschäft be-teiligt.
Seine besondere Gunst aber wendet Hermann seinem NeffenOskar zu. Oskar Tietz wird am 18. April 1858 in Birnbaum alsjüngster Sohn von Jacob Tietz geboren. Es scheint so, als obsich mit seiner Geburt das Geschick seines Vaters wendet. Dennan Oskars Geburtstage verdient Jacob an einem Hafergeschäftviel Geld, und wenn er auch nicht orthodox ist, so glaubt dochJacob als strenggläubiger Jude, daß ihm dieses Kind besonderenSegen bringen werde. Ist Vater Jacob ein frommer aber ein-facher Mann, so ist die Mutter Johanna aus dem reichen Hauseder Kieletzki eine intelligente, gebildete, freisinnige Frau vonseltener Akkuratesse und Korrektheit, durchaus nicht frei vonEitelkeit und dem Bestreben, sich das Leben leichtzumachen.Aber bei fünf Kindern, die Jacob und Johanna Tietz beschertwerden, reicht es nicht, um sie lange im Hause zu halten.
Oskar Tietz besucht die Schule in Birnbaum. Sein LehrerGäbel, ein echter Achtundvierziger und Freund Freiligraths,begeistert ihn für die deutsche Freiheitsbewegung und den Gedan-ken des deutschen Einheitsstaats. Aber schon mit dreizehn Jahrenmuß Oskar die Schule verlassen. Er kommt zunächst zu seinemOnkel Kaskel in Prenzlau in die Lehre. In diesem Manufaktur-warengeschäft, dem ein Altproduktenhandel angegliedert ist, be-gründet Oskar Tietz seine große Kenntnis der verschiedenstenRohstoffe und Fertigprodukte, die ihm später oft zustattenkommt. Nach der Lehrzeit geht er weiter nach Norden, nachStralsund, wo sich 1879 der vierzehn Jahre ältere Bruder Leonhardauch mit Unterstützung Onkel Hermanns mit einem Kurzwaren-Engrosgeschäft niedergelassen hat. Der bisherige Detailhändlerbereichert hier sein Wissen als Grossist. Mit Pferd und Wagenbereist er Pommern und Mecklenburg, kommt auch nach