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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
Entstehung
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einer allgemeinen vergleichenden Geographie.

von selbst das Resultat hervor, dessen Wahrheit sich in den loca-lisirten Naturbegebenhcitcn und als Widerschein in dem Lebenderjenigen Völker bewährte, deren Dasein und Eigenthümlichkeitmit dieser oder jener Reihe der charakteristischen Erdbildung zu-sammenfällt. Denn durch eine höhere Ordnung bestimmt, tretendie Völker wie die Menschen zugleich unter dem Einfluß einerThätigkeit der Natur und der Vernunft hervor aus dem geisti-gen wie aus dem physischen Elemente in den alles verschlingen-den Kreis des Weltlebens. Gestaltet sich doch jeder Organismusdem innern Zusammenhange und dem äußern Umfange nach,und thut sich kund in dem Gesetz und in der Form, die sichgegenseitig bedingen und steigern, da nirgends in ihm ein Zufallwaltet.

Nicht nur in dem beschränkten Kreise des Thales, oder desGebirges, oder eines Volkes und eines Staates, sondern in allenFlächen und Höhen, unter allen Völkern und Staaten greifen diesegegenseitigen Bedingungen in ihre Geschichten ein, von ihrerWiege bis auf unsere Zeit. Sie stehen alle unter demselben Ein-flüsse der Natur, und wenn auch nur in dem einen oder dem an-dern Puncte dieser sich auszudrücken scheint, oder ausgesprochenward: so ist es doch eben so gewiß, daß dieser überall und zuallen Zeiten tiefer im Verborgenen wirkte, gleichwie der einst un-bekannte Gott in einer höhern Welt, der doch auch vordem schonimmer und überall gegenwärtig gewesen war.

Wie man diesen anfangs nur in seinen einzelnen Wirkungenerkannte und verehrte, ohne daß ihn selbst noch das sterblicheAuge erblickt hatte, so löset sich auch wol einmal noch der Wi-derstreit tausendfältig zcrspaltcner Naturkräfte, der ihre Einheitfür unsern Blick einstweilen verhüllende Nebel verschwindet, unddiese Einheit tritt in den Gesichtskreis menschlicher Weisheit.

Mit diesem Glauben kann jedes Streben nach Uebersicht derNaturwirkungen in ihrem Zusammenhange, wie schwach es auchsein mag, wenn es nur von dem Geiste der Wahrheit geleitetwird, ersprießlich werden, und in dieser Hinsicht nur kann ein Ver-such , wie der gegenwärtige, von den Zeitgenossen mit Liebe