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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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62 Einleitung zu d. Versuche einer allgem. vergleichend. Geographie.

rcnd zu sein, daß sie, überall mehr nach Universalität strebend, dieäußersten Grenzen und das Uebcrgreifen und Ineinandergreifender Gebiete, nach den räumlichen, physischen, organischen, intcllec-tuellcn Demensionen hin, aufzufinden und von da zu einer vollen,lebendigen Mitte zurückzukehren sucht.

Dies sollte sich auch aus dem Vorhergesagten, noch mehraber aus allem weiterhin Folgenden ergeben, um so die für dieErhebung so erfolgreiche Richtung der Thätigkeiten zu bezeichnen,die in dem Gegensatze der Art der Wirksamkeit des Menschen undder Natur liegt, und durch die Worte Streben und Sein ange-deutet werden kann.

Denn indem der Mensch in seinem Gebiete überall nur durchaus seinem Innersten aufsteigende Ideen, denen die äußere Thä-tigkeit noch vor dem gewonnenen Resultat sich schon untergeordnethat, das Gebiet seines Wissens, gleichsam nur stoßweise, in außer-ordentlichen Momenten außerordentliche Geister für Alle, und einJeder überhaupt immer für sich, bald hie- bald dahin erweitert:so wirkt dagegen die Natur von ihrer Mitte nach den Grenzenund zugleich von den Grenzen nach der Mitte, wo auch irgendnoch dem Menschen ihr Wesen entschleiert ward, also nicht voneinem lebendigen Puncte aus, sondern im überall lebendig erfüll-ten Raume, in minder sichtbar unterbrochenen Momenten, vielmehrin ebenmäßig schwebender Tiefe und Macht und gleich steter uner-schvpfter Fülle fort durch alle Zeit.

Und so wurde von Gott die Natur dem sterblichen Menschenals die stets nahe Freundin, als Warnung und Trost im Erden-leben, ihm beigesellt, als sein zur Einheit mit sich selbst ihn gelei-tender Schutzgcist, sowol dem Einzelnen, wie dem ganzen Ge-schlechte. Wie die Erde als Planet der mütterliche Träger desganzen Menschengeschlechts, so sollte sie, die Natur, die Erwecken«aus dem bewußtlosen Schlummer, die bildende Leiterin, die orga-nisirende Kraft der Menschheit werden, um diese zu noch Höherem,zur Anschauung des Unendlichen im Unsichtbaren vorzubereiten.