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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Ueber geographische Stellung

dem andern, sondern steht im Zusammenhange mit ihrem Gesamm-ten; jeder hat, als mitwirkendes Glied, seinen nothwendigen An-theil an dem geschlossenen Ringe des ganzen ErdspstemS, das ebendadurch zum besondern Planeten ward, mit eigenthümlicher An-ordnung und in allen seinen Theilen und Verhältnissen eigenartigerWirksamkeit.

In dieser Anordnung, welche in den leblosen wie in den zu-gehörigen belebten Theilen dieses Erdsystems auch zu dessen Na-tur und Geschichte ihren Beitrag giebt, ist wesentlich ein eigen-thümliches, ein tellurisches Element, nämlich ein anderes vorhanden,als in der Einrichtung der vereinzelten, von ihm abgelösten unor-ganischen wie organisirten irdischen Naturkörper insbesondre. Esist ein eigenthümlicher Organismus des Planeten in seiner Ge-sammtheit sichtbar, der über die bloße Raumcrfüllung und dieGrenze der unorganisirtcn Natnrkörper hinaus das Gebiet derVegetation wie der lebenden Organismen durchdringt und in daSReich der geistigen Thätigkeit derselben gestaltend und bedingendeingreift.

In den Gesammterscheinungen der Natur und der Geschichtetreten die Einwirkungen dieser tellurischen Anordnung des Plane-ten und seiner Verhältnisse überall hervor, da er zum Schauplatzder Natur und ihrer Kräfte, wie zum Träger der Völker vonAnfang an eingerichtet ward, als Heimath, Wohnort und tempo-räre Entwicklungsanstalt für das Menschengeschlecht, das ohnediese Bedingung nicht gedacht werden kann.

Die Auslösuug dieses allgemeinen Verhältnisses in seine Be-sonderheiten ist die Aufgabe der Wissenschaft; jedes besondere Ver-hältniß gewinnt dadurch seine Bedeutung für Betrachtung undLeitung in Beziehung auf das Allgemeine und Individuelle; dieeinfachsten, unscheinbarsten Verhältnisse treten dadurch in ihrerallgemeinsten Wirksamkeit hervor.

Zu diesen gehören unstreitig die blos räumlichen Ausbreitun-gen der Rinde des Planeten nach ihren natürlichen Abtheilungen,über welche es erlaubt sei einige Bemerkungen mitzutheilen.

Die ungleiche Vertheilung der Länder- und Wasserflächen