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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
Entstehung
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Ueber geographische Stellung

Diese Gruppirung begreift zwar jene, im Nordostcn vor-herrschend gewordene Masse der Contincnte mit in sich, zeigt aberaußerdem noch das für Länderbildung wichtig gewordene Phäno-men der Massenanhäufung gegen die gemeinsamen Mitten, undder Sonderung und Zerspaltung an den Umsäumungen der Pe-ripherien.

Der Erdglobus zeigt, wie den nördlichen Polarkreis die bei-den großen Besten der Alten und Neuen Welt in großen Breiten-ausdehnungen bis über den 70sten und selbst bis gegen den 80stenGrad nördlicher Breite umlagern, wo ihre auslaufenden Land-spitzen und Vorgebirge sich einander bis auf geringere Streckenbegegnen, ja, wie zwischen N.O.-Asicn uud N.W,-Amerika beinahebis auf Tagercisenbreite gegenseitig berühren. Dieser weiten Aus-breitung gegen den Norden ist überall nach dem Süden hin dieVerengung der Continente entgegengesetzt, ein Contrast von Aus-dehnung und Zusammcnziehung im Allgemeinen wie im Besondern,vorherrschend im Großen und bis zum Kleinen sichtbar.

Das Verlaufen aller einzelnen Erdtheile gegen die nicht arcti-tischen Seiten, zumal aber gegen den Süden, in keilförmig sichverengende Enden, Halbinseln, Glieder, zeigt sich auf jedem Glo-bus sogleich; gegen die Wasserhalbkugcl hin bilden nur nochschmale Vorländer und endlich nur Inseln in sporadischer Zer-streuung die letzten Repräsentanten der Contincntalform, bis auchdiese im Gebiete des freien OceanS fast in bloße Klippen zersplit-tert sind, oder gänzlich verschwinden.

Eben dieser Gegensatz der Ausdehnung und Zusammcnziehungnach Mitte und Enden, mit dem strahligcn Auseinandergehen derErdflächen von einem gemeinsamen, aber doppelt in die Alte undNeue Welt gesonderten Stamme, gegen die Glieder hin, giebt derGesammtgruppirung ihren Hauptcharakter, der für das Ganzewie für die Entwicklung aller untergeordneten Gruppen und Län-dertheile von dem entschiedensten und dauerndsten Einflüsse gewe-sen, und durch das, zum räumlichen Dritttheil größere Uebcrgewichtder Gewässer über die trocknen Flächen noch überall gesteigert undverstärkt werden mußte.