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Ueber geographische Stellung
Mitgift doch der Anlage für die universelle Entwicklung entbehrten,wie in der indischen und chinesischen (Kultur.-) Welt, scheinendarauf hinzuweisen, daß, wie überall das Unsichtbare in seinenWirkungen an gewisse Schranken der Erscheinung gebunden ist,auch der Entwicklungsgang der Bewohner der Erde in einer ge-wissen Harmonie mit der Organisation der irdischen Heimach steht,der sie unmittelbar angehören.
Eine allgemeine cosmischc Anordnung iu der räumlichenStellung der Erdtheile nach Licht und Wärmevertheilung, Auf-und Untergang der Gestirne, hat seit ältester Zeit die Aufmerk-samkeit der Völker erregt, und durch den Hergang der Geschichteauch historische Benennungen erhalten, welche in ihrer Art großeZüge zur Charakteristik der Räume angaben, die hier nur anzu-deuten und für das Ganze zu erweitern sind. Seit alter Zeit be-trachteten die Völker der Erde Asien als das gemeinsame Mor-genland, nannten Europa das Abendland, und bezeichneten, durchdie Weltstellung nach der Sonnenbahn, diese Erdräume selbst alsGegensätze mit den bekannten Namen Orient und Occident, welchein allen Erscheinungen dieser Räume ihre Anwendung finden.Zwischen beiden, mehr südwärts, liegt das Land der Aethiopcn,Afrika, gleichartig zu beiden Seiten des Aequators , der wahreheiße Süden des Erdballs, der am Südpol nicht zu suchen ist,sondern in der Erleuchtungsmitte des Planeten, wie die helle,heiße Mitte des Tages zwischen Morgen und Abend.
Zu diesen dreien bilden die Nachtseite der Erde, nach denAnsichten der Alten, oder die weiten Ausbreitungen der Nord-Polarländer den wahren cosmischen Gegensatz: denn am Südpol ,dem mathematischen Gegensatze des Nordpols, findet sich keiner,weil dort das Gebiet der Wasserwelt und ihrer Erscheinungen ist.
Amerika bildet in seinem weitern Abstände den ganzen West-ring des großen Erdkreises, und mußte, da Europa nur für eineverschwundene Durchgangsperiode als der Occident der Alten Welterscheinen konnte und seine Bestimmung als Uebcrgangsglied desGanzen erfüllt hatte, das jüngere Ziel der Völkerbestrebungen