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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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178 Ueber das historische Element

darum, weil ihre begabten physikalischen Verhältnisse nach Küsten-und Hafenbildung, Bodennatur, Bewässerung, Klima, mit der fürdie Australwelt günstigsten Welistellnng gegen die andern Erd-theile, gegen die Meeres- und Windbewegungen und mit der euro-päischen freien Kolonisation in demselben Erdraume zusammenfallen.Und darum zeigt sich ihre Entwicklung in gesteigert-raschester Pro-gression, weil die Südhalbe der Erde bei größerm Jnselreichthumdoch minder als die Nordhalbe des Erdballs durch entwicklungs-fähige continentale Formen begünstigt ward; diese Insel aber, auchihrer Arealgröße wegen, eine der ausgezeichneteren Stellen unterden australischen Flächenräumen mit dem dem europäischen glei-chen Fruchlboden für Agrikultur einnimmt, dessen Ertrag nur beider Vollendung der Schifffahrt den weiterspornende» Gewinn giebt.

Wenn daher die alte Welt den Schauplatz ihrer Geschichtennur auf den beengten 0rbi5 Ivirgrum der Römer beschränkenmußte, das Mittelalter ihn schon überall bis an die äußerstenEnden der Gliederungen der Alten Welt, nach dem Norden, Sü-den und Osten ihrer großen Landveste, ausdehnte, so spannte dieGeschichte der neuern Zeit ihr reiches Gewebe der Begebenheitenüber den ganzen Erdball aus. DaS historische Element greiftalso auf sehr verschiedene Arten in sehr verschiedenen Zeiten indie Physik des Erdballs ein, aber auch in sehr verschiedenartigenProgressionen und Weisen.

Denn in frühern Jahrhunderten und Jahrtausenden, als dieVölkcrgeschlechter überall mehr auf ihre Heimathen und auf sichselbst angewiesen waren, wurden sie von der allgemeinen telluri-schen Physik kaum berührt; desto mächtiger griff aber die localePhysik der Heimath, die vaterländische Natur in die Individuali-täten der Völker und Staaten ein. Daher wol eben die edlerbegabten, zu Kultur sich erhebenden aus der ihnen gegebenenengern Sphäre individueller und doch harmonisch - vollendeter inder Erscheinung, in schöneren und bestimmteren historischen Ge-staltungen und Cbaractcren hervortraten, als die der neuern Zei-ten. Sie entwuchsen, unberührt von der Fremde, noch ganz demheimathlichen Himmel und Boden, der in seiner vollen jungfräu-