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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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Ueber eine geographische Productenkunde.

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der Wissenschaften überhaupt, fruchtbar werden konnte. Wärenihr nicht von außen her die benachbarten Wissenschaften (der Ge-schichte, der Physik, der Climatologie, der Mineralogie, Geologie,Botanik, Zoologie) entgegengekommen, sie würde auch heutenoch, wie es bis vor einem Viertel-Jahrhundert der Fall war,mit ihren Schätzen, gleich einem Kinde mit Goldstücken, nurspielen.

Die Systematik und genaueste Beschreibung dieser Produc-tionen des Mineral-, Thier- und Pflanzen-Reiches, könnte manvielleicht sagen, fänden wir schon auf das vollständigste in denNaturhistorien z die Aufzählung ihres Vorkommens nach den Ein-zelnheiten der Räume in den Geographien; ihre Anwendung, Be-nutzung zur Kleidung, Unterhalt, Bedürfniß aller Art wären imVölkerleben uud durch die Gewerbthätigkeit der Menschen, einemgroßen Theile nach, wenigstens schon allgemein bekannt.

Aber, dies zugegeben, uud noch mehr, daß die Naturwissen-schaft sogar den innern, nothwendigen Zusammenhang des ganzenSystems der Naturerscheinungen, wie nie zuvor, wissenschaftlichdarzulegen, die außerordentlichsten Fortschritte gemacht hat: istdarum auch schon die Relation dieses innern, organischen Zusam-menhanges in allen seinen tellurischeu Beziehungen ermittelt unddargelegt? Keineswegs! noch fehlt diese Darstellung nach Inhaltund äußerm Zusammenhang, wie nach den Localbedingungen jederArt, dem Vorkommen und der Begrenzung nach im Raume, wieder Entfaltung und Einwirkung nach in der Zeit; oder nach Na-turgesetz und Geschichte, sei es der Gegenwart wie der Vergangen-heit. Es fehlt die Nachweisung dieses Totalverhältnisses wieseiner gesonderten Glieder auf die allgemeinere oder individuellereEntwicklung der tcllurisch gruppirten Erdräume mit ihren zugehö-rigen Völkcrgruppcn; es fehlt diese Nachweisung auf den Gangder Völkerverbreitungen, der Cultur, der Industrie, des Handels,der Colonisationen und auf die davon abhängigen secundären Ver-breitungen der Produktionen selbst. Alle diese Verhältnisse, ihreCombinationen und Auflösungen, im Besondern wie im Allge-meinen, sucht man noch vergeblich in den Compendien der Geogra -