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Ueber eine geographische Productenkunde.
die Ethnographie, die Länder- und Staatenkunde haben für Agri-kultur, Industrie, Gewerbe, Handel, Verkehr, Colonisation u. a. in.das Material ihrer naturhistorischen Grundlage, mit Beziehungauf den schon vorhandenen oder noch zu erwerbenden Natur- undCultur-Reichthum derselben, erhalten.
Das Auseinanderliegen dieser verschiedenen Verbreitungssphä-ren führt auf die Bahnen des Verkehrs, auf die Arten und Rich-tungen des Handels, und weiset die unentwickelten Gründe ihresGanges nach, zu denen oft keine Annalen der Geschichte zu-rückgehen.
Ihr gegenseitiges Uebereinandergreifen in verschiedene Län-derräume führt zu der natürlichen Combination einheimischer mitfremden Productionen, Agriculturen und Gewerben, die entwederihre Erfüllung schon erlangt haben, oder noch ein neues, frucht-bares zu gewinnendes Feld der Thätigkeit darbieten.
Die Verschiedenartigkcit, die Uebereinstimmung, die Mannich-faltigkeit, die Körperlichkeit der Begabung, nicht nur der größernund kleinern Naturgebiete der Erde, sondern auch die eigenthüm-lich sich unterscheidende Art dieser natürlichen Charakteristik dernun auch politisch gesondert zu betrachtenden verschiedenen Länder,Reiche, wie ihrer untergeordneten Provinzen, ja der gering-scheinendsten Erdlocalitäten, tritt hiedurch überall in den bestimm-testen und vollständigsten, quellengemäß ermittelten Umrissen hervor.
Der Antheil, den alle diese Erdräume durch ihre specifischeeigenthümliche Mitgift, von dieser Seite her, an dem Entwick-lungsgange des Planeten wie der einzelnen Völker, Reiche, Staa-ten genommen haben, in der Gegenwart wirklich nehmen, oderfür die Zukunft noch zu gewinnen befähigt sind, stellt sich da-durch überall in das gehörige Licht. Daraus geht der natur-historische Character der Erdtheile und jedes besondern Länder-theiles erst hervor: ihre primitive Begabung und Anregungsfähig-keit für das Ganze wie für das Besondere, ihre verschiedenartigeEmpfänglichkeit und Befähigung für cosmopolitische Entwickelung,ihr Geben und Nehmen in Beziehung auf die Geschichte der Mensch-heit, ihre active und passive Miteinwirkung auf das Gesammte.