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Einleitung zur allgemeinen vergleichenden Geographie, und Abhandlungen zur Begründung einer mehr wissenschaftlichen Behandlung der Erdkunde / von Carl Ritter
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236 Ueber räumliche Anordnungen auf der Außenseite des Erdballs

Nordwelt durch die völlige Versagung einer analogen Gliederungmit ihrer hemmenden Mschcidung von der hoher entwickelten asiati-schen Südwelt und der doppelt ungünstigen polaren Unterstellungunter das hohe, nomadisch gebliebene Ccntralasien, bei den unzu-reichenden Mittclu und Naturimpulsen einheimischer Begabung,in seinem Fortschritt der Entwicklung und Civilisation auf denNord-Osten Europa's angewiesen war.

Endlich so ist die Jnselbildung Enropa's vor allen andernErdtheilen sehr ausgezeichnet zu nennen, insofern sie, als Gestade-inseln im Bereiche des Continents, die trabantenartig umgebendenoceanischen Erweiterungen (als seine Seestationen), das Ganzeauf gesteigerte Weise bereichern, da sie in relativ bedeutendemGrößenverhältniß zum Stamm und den Gliedern ein weites Arealmit sehr günstiger Oberflächenbildung für zahlreiche Bevölkerun-gen und Kulturverhältnisse darboten, die, denen ihrer Gegengestadeanalog, nicht blos zu räumlicher Verdoppelung, sondern noch weitmehr zu intensiv unendlich gesteigerter Entwicklung ein Vielfachesbeitragen mußten. Jedoch nicht einzelne Jnsclfragmente oder lang-gereihete oceanische Felscnketten, oder schwerzugängliche, öde Pik-gestaltungen sind es; denn Süd-England ist eine natürliche, analoggebildete Fortsetzung Nordfrankreichs, ebenso Sicilien von Cala-brien, Candia von Morea u. a. m. Um uns kurz zu fassen, sa-gen wir nur, man denke sich die großbritannische Inselgruppe vonder Karte Nordwest-Europa's weggelöscht, welche Verarmung indessen einheimischen wie transmarinen Entwicklungsgeschichten; ohneSeeland und Fünen würde die Halbinsel Jütlands zu einer bloßenSandzunge; in der alten Zeit wäre Roms und Italiens Geschichteohne Siciliens Kornkammer eine ganz andere geworden, und mitCreta schlugen die ägäischen wie die jonischen Inselgruppen dieBrücken der Civilisation von Jonien und Vorder-Asien nach Grie-chenland und Hesperien.

Es würde uns hier zu weit führen, in die Folgen des völli-gen Jnselmangels der afrikanischen Gestade, denen selbst die großeMadagaskar , als eine durch Meeresströmungen zu weit abgerückte,schon oceanische Insel, nicht einmal angehört, sowie in die Sve-