Begriff der Erdkunde.
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nicht einmal Lehre der wichtigsten Verhältnisse. Wir fangen jetzterst an, die wahren Elemente einer Erdwissenschaft zu begreifenund können es nur erst versuchen, die Erdkunde wissenschaftlicherzu behandeln, obgleich die Fortschritte der Entdeckungen zu unsererZeit alle frühern weit hinter sich zurücklassen. Wir müssen sogaraus unserer Hut sein, wie überall, uns nicht durch irrige Einbil-dung, durch falsche Selbstbefriedigung, durch eiteln Wahn einzu-wiegen, um nicht durch solchen scheinbaren, keineswegs schon be-herrschten Reichthum wirklich geistig zu verarmen.
Begriff der Erdkunde als Wissenschaft.
Die Erde an sich gedacht ist nur ein Theil des Weltalls,des Kosmos im umfassendsten Sinne, wie A. v. Humboldt inseinem berühmten Werke ihn aufgefaßt hat. Diese Erde ist dieGrundlage (Substrat) der Natur; sie ist die Heimath oder die Wiegeder Menschen und Völker, der Wohnplatz des Menschengeschlechts.Daher ist sie, extensiv gedacht, nicht nur eine räumliche Grundlage,sondern mehr noch, intensiv gedacht, auch ein Schauplatz aller Wir-kungen der Naturkräfte und Naturgesetze in ihrer großen Mannig-faltigkeit. Sie ist aber auch der Schauplatz aller menschlichen Wirk-samkeit, ein Schauplatz göttlicher Offenbarung. So zeigt sich dieErde beim ersten Blick in dreifachem Verhältniß: a) zur Welt imAllgemeinen, — b) zur Natur, <:) insbesondere zur Geschichte.
Nicht blos leidend (passiv), d. h. blos als Träger, besteht sie,sondern thätig (activ) wirkt sie mit ein nach dieser dreifachen Rich-tung. Sie ist ein uuansschließbarer, ein integrirender Theil, einmitwirkendes Glied in der Ordnung der Dinge. Denn es ist derErde auch noch ein höheres Verhältniß als sichtbare Welt übrig,das nämlich zur unsichtbaren Welt, zur geistigen Natur der Wesenüberhaupt, oder zum Schöpfer und zum vernunftbegabten Geschöpfeauf ihr — nicht blos zum Naturreiche, sondern auch zum Geister-