Erdkunde und Geographie.
u:
blinden Naturkräfte und ihrer blos rohen, ungezügelten Gewaltennachweisen, durch die das Menschengeschlecht, wie so viele Thier-geschlechter vor ihm, hätte untergehen müssen. Von dem Unter-gange eines Menschengeschlechts haben wir keine Spur in derPaläontologie. Die höhere Bestimmung der Erde setzt aber un-streitig eine höhere Organisation desselben für Realisirung dieserBestimmung voraus. Hemmende aber keineswegs vernichtendeErscheinungen treten auch heute noch, aber nur sporadisch, wieFeuerbildung und Erdbeben, Wasserfluthen ein. Sie werdenimmer mehr auf kleine Punkte concentrirt, sind keine allgemeinenmehr, wie frühere Fluthen und Umwälzungen, während die för-dernden Erscheinungen universelle geblieben sind, wie die fort-schreitende vegetative Bekleidungsfähigkeit der Erde, die Entwicke-lung aller Arten von Generationen, die Acclimatisationsfähigkeitihrer Organismen, so daß also ihre Lebenskeime sich immer weiterentfalten sollten. Die früheren Hemmungen selbst wurden all-mählich zu Förderungen des Gedeihens.
Die Erforschung der Verhältnisse dieser höhern Organisation,ihrer Gesetze und Erscheinungen, muß natürlich einen wesentlichenTheil unserer geographischen Wissenschaft ausmachen. Nimmt dieGeographie erst Rücksicht auf die höhere Organisation des Pla-neten, betrachtet sie ihn nicht mehr als ein blos lebloses, todtesAggregat einer unorganisirtcn Natur, oder, wie Herodot sich aus-drückt, eine auf der Drehbank abgefertigte Erdscheibe; sondernals einen wahrhaft und recht eigenthümlich organisirten, sich fortund fort entwickelnden Naturkörper, der seine Lebenskeime zuweiterer Entfaltung in sich trägt mit dem Fortschritt der Jahr-hunderte und Jahrtausende: dann gewinnt sie dadurch erst selbstihre Einheit, wird erst durch dieses ihr lebendiges Princip zueinem Ganzen; dadurch erst wird sie auch einer systematischenDarstellung und Entwickelung ihres großeu Systems fähig; dannerst wird sie zu einer bildenden Wissenschaft für den menschlichen