Wissenschaftliche Bedeutung der Erdkunde. 15
wohner, bis auf Gestalt und Körperbau, Schädelbildnng, Farbe,Temperament, Sprache und geistige Entwickelung sind unverkenn-bar. Daher die unendliche Mannigfaltigkeit in den Erscheinungen,wie in den Bildungen und Charakteren, so auch in den Bestre-bungen der Völker. Die Anthropologie und Ethnographie, dieMenschen- und Völkerkunde, siud die wichtigsten Commcntare zurGeo- und Topographie. Der Historiker wirft nur einen Blickvom Schicksale der Völker auf das Land zurück, der Geographgeht von der Natur des Landes aus, und thut die ernsten Fragenan das Schicksal der Völker. Was müßte, was könnte das Landunter den gegebenen Umständen für sein Volk sein und werden?und was ist es für den Staat geworden? was bleibt noch fürihn und seiner Bevölkerung Ausbildung und Glück zu thun übrig?So wird die Geographie anch eine Schule der Staatswissenschaft.
Des Menschen Dasein ist ganz an die Erde gebunden —mit tausend unlösbaren zähen Wurzeln befestigt. Nicht blos einegeistige, auch eine leibliche Mitgift hat der Mensch bei seiner Ge-burt erhalten, deren er sich nicht entäußern kann, deren er sichdaher auch auf das lebendigste bewnßt werden soll. Dem Men-schen ist es also auch ein Bedürfniß, die Grenzen, wie das Wesen,auch iu dieser seiner irdischen Beschränktheit, wie ihre inwohnen-den Kräfte zu erkennen, um sie auch gebrauchen zu lernen. Dennnur danu wird es ihm um so sicherer gelingen, anch das Gebietseiner geistigen Freiheit und Unabhängigkeit zu erkennen, seinegeistige Natur zu erforschen. Nur das lebendigste Bewußtseinseiner Abhängigkeit des ihm bei seiner Geburt vou Gott Mitge-gebenen kann ihm zu einer wahrhaften Freiheit des Lebens, zuErreichung seiner wahren Bestimmung in Gegenwart und Zukunftverhelfen. Ohne Vorübung in der Beschränktheit ist kein Maaßin der Unbeschränktheit zu finden. Ohne Abhängigkeit von Ord-nung und Gesetz ist keine Gesetzmäßigkeit, keine Freiheit für denMenschen zu erringen, auch nicht in der Gedankenwelt. Keine