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Die Geographie als Wissenschaft.
wahrhafte Speculation, keine Philosophie über das Unendlicheund Ewige ist möglich, ohne die Erforschung und Erkenntniß desEndlichen und Irdischen. Wer nicht das Irdische erkennt underforscht, kann auch das Ewige, das Unendliche nicht begreifen.Satz und Gegensatz sind Bedingungen des menschlichen Denkens.Pythagoras erforschte erst Maß und Zahl, ehe er sich vondiesen zu den höchsten Sphären der metaphysischen Speculationemporschwang, Plato die Seele des Menschen und die Gesetz-gebung der Völker, ehe er sich von diesen zu den größten Höhender Philosophie aufschwang. Aristoteles war erst Naturforscherund Physiker, ehe er zum Meister der Logik und Metaphysikward. Auch Kant war Mathematiker und Astronom, ehe er zurMetaphysik und Kritik der reinen Vernunft, den höchsten Auf-gaben der Wissenschaft, fortschritt. Schelling ging aus derNaturphilosophie zur Philosophie des Geistes über.
Nur zu häufig werden solche Vorstudien übersprungen. DieSpeculationen schwebten dann auch in der Luft ohne festen Bo-den, und stürzten von selbst zusammen. Der Hochmuth im nurscheinbaren Wissen und Denken kommt auch hier durch sich selbstzum Falle!
Was hat die Geographie als Wissenschaft zu leisten?
Sie darf nicht bloß eine Beschreibung der Erde oder ihrerTheile sein, so wenig wie Naturbeschreibung das Wesen derNaturgeschichte erschöpft. Dieser Begriff, zu welchem das her-gebrachte Wort Geographie (Erdbeschreibung) leider nnr zulange Zeit verführt hat, würde nur höchstens ihre Elemente be-zeichnen, sonst aber viel zu beschränkt sein.
Die Geographie soll danach streben, ein möglichst vollstän-diges Anschauen, Erkennen uud Wissen von der Erde zn werden;denn im weitesten Sinne ist sie die Wissenschaft des tellurisch