22
Geographische Compendien.
nicht angestrebt. Sie enthalten im Grunde nnr eine willkürliche,principlose und umuethodische Zusammenhänfung aller Arten vonMerkwürdigkeiten, die in den verschiedenen Ländern der Erde vor-züglich auffallend erscheinen. Die Zusammenstellung der That-sachen geschieht nach Ländern und Erdtheilen; aber die Bezie-hungen des einen Erdtheiles zum andern, des gegenseitigen sounendlich wichtigen Einflusses der Länder aus einander, wird mitkeiner Sylbe erwähnt. Man fängt Europas Beschreibung mitPortugal oder Spanien an, weil Strabo in dieser Ordnuug dieAufzählung begonnen. Die Thatsachen werden wie die buntenFlicklappen eines Teppichs an einander gereiht, bald so bald so,als könnte ein jedes als abgerissenes Stück für sich bestehen-Nnr ihre Sonderung tritt hervor, ihr Zusammenhang nicht. DieAufzählung der Merkwürdigkeiten nach gewissen Rubriken, wirdnach Grenzen, Größe, Boden, Gebirgen, Flüssen, Productcn,Städten u. s. w. gegeben. Man fängt mit den Lineamenten derBegrenzungen an, die doch meist sehr uusicher, ungewiß, uud invielen Theilen unbestimmt bleiben, uud hofft dadurch den Gangalles Folgenden zu bestimmen, statt den Kern, das Wesen inSAuge zu sasseu.
Vergleichen wir diesen dermaligen Zuschnitt der Compendieu-Geographie mit andern so sehr fortgeschrittenen Wissenschaften, soerkennen wir leicht, daß sie zwar ein Wissen, aber gar keineWissenschaft, höchstens eine Polhhistorie genannt zu werden ver-dient. Sie ist nnr ein bloßes Aggregat, ein nach Materien ge-ordnetes Register, ein lexikalisch geordneter Apparat. Daher kommt,bei dem unstreitig sehr hohen und ganz allgemeinen Interesse desGegenstandes, das Mechanische nnd Unfruchtbare der Methode,die Anfülluug des Gedächtnisses ohne Urtheil und Gedanken, ohneIdeen; daher aber auch der geringe Gewinn, den die Geographieals bildende Wissenschaft bisher in der Reihe der Schulstudieu,der sogenannten Humaniora, gebracht hat.