Heimathskunde.
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Pflanzenwelt auf Berggipfeln verstehen'. Schon im Harz undRiesengebirge kann man sich lehrreich auf das Studium der Alpen und Cordilleren vorbereiten. Aber das Auge muß sehen gelernthaben.
Die Beobachtung im Vaterlande weckt und schärft den Blickwie das Urtheil für die Erkenntniß fremder Länder. Wer dieThäler, Berge, Wälder, Dorfschaften seines vaterländischen Gauesaufmerksam durchwandert hat, und ihre Sagen und Berichte er-forschte, der wird auch die Erzählungen Herodots über Länder,Völker und ihre Sagen besser würdigen können. Ihm werdendie Berichte der Reisenden in Amerika, Asien und Australien ,erst lebendige Anschauungen darbieten. Beobachtung in der Naturund auf Wanderungen, größerer wie kleinerer Art, ist daher noth-wendig für den Fortschritt der Erdkunde. Aber dahin rechnenwir nicht den neugierigen Durchsing der gewöhnlichen unwissendenTouristen, die voll Vorurtheile fast alles nur halb sehen.
Leider verstehen die heutigen geographischen Compendien-schreiber meist die Natur nicht im Kleinen und in der Nähe: da-her aber anch nicht im Großen, nicht in fernen Erdtheilen, nichtim Ganzen. Die geographischen Musterwerke über Theile desAuslandes haben darum bis jetzt viel zu wenig zur verbessertenGeographie des Inlandes beigetragen. Noch fehlt uns jede leid-liche Geographie des deutschen Vaterlandes. Nur wenige Vor-arbeiten haben dazu erst seit ein paar Jähren die Wege gebahnt.
Im hohen Alterthume ging die Geographie von der An-schauung aus, nicht von der Bücherwelt. Herodot (444 v. Chr.),der Vater der Geschichte, wurde durch seine Wanderungen undeigenen Beobachtungen der erste sammelnde kritische Geograph derGriechen. Polhbius durchreiste die Alpeu, die Pyrenäen, Gallien und Iberien, um die Feldzüge Hannibals beschreiben zu können.Er suchte den Pontus und Aegypten ans für seine Kriegsgeschichten.Er ist der Vorgänger für alle militärische Geographie: mit Com-