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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Rmidgestalt der Erde.

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nauesten Instrumente Wirkich in natui-a gemessen. Solche Mes-sungen haben mm gezeigt, daß diese Erdgrade nicht überall ganzgenau gleiche Länge haben, die sie haben müßten, wenu die Erdeeine vollkommene Kugel wäre. Die Erdgrade gegen den Nordpol hin gaben zwischen dcu zwei senkrechten Verticallinien eine grö-ßere Länge, die gegen den Aequator hin kürzere Distanzen an.Die Krümmung der Erdoberfläche ist also gegen den Aequatorhin stärker gebogen, gewölbter, die gegen die Pole hin flacher,abgeplatteter. Als Resultat hieraus ergiebt sich, daß die Erdekeine vollkommene Kugel, sondern ein nach beiden Polen abgeplat-tetes Sphäroid ist, dessen größte Anschwellung gegen die Aequa-torialzone stattfindet. Der Polardurchmesser ist also kürzer alsder Äquatorialdurchmesser. Wäre der Polardurchmesser länger,so wäre die Erde ein Ellipsoid, was vor Newton französischeGeometer annahmen. Hätte der äquatoriale Durchmesser 331gleiche Theile, so würde die Palaraxe nur 330 solcher Theile ha-ben, oder etwa um 5 geographische Meilen kürzer sein als jener.Dies nennt man das Verhältniß der Abplattung der Erde ,wie es frühere französische Messungen angaben.

Fortgesetzte Meridianmessungen und Bcrechnungsmethodenhaben auf verschiedene Stellen des Erdrundes auf verschiedene Ab-plattuugsverhältuisse geführt, die zwischen oder nach Arago'sfranzösischen Arbeiten, nach des Astronomen Bessel Arbeiten,bis ans -5-;^ in Europa schwanke», ja vielleicht bis zum Verhält-nisse von gehen, d. h. so daß die Polaraxe 288 Theile vonderselben Größe enthält, wie die Aequatorialaxe deren 289 hat.

Die größte Schärfe der Beobachtungen, die Vortrefflichkeitder Instrumente und die immer mehr vervollkommnete Methodeder Berechnungen macht es nach allen Resultaten dieser mühsamen,seit mehr als einem Jahrhundert schon fortgesetzten Messungender Meridianlinien und auch einzelner Parallelkrcise der Erde amwahrscheinlichsten, daß auch das Sphäroid der Erdgestalt kein nach

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