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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
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Abplattung.

allen Seiten vollkommen gleichartiges ist (wie denn überhauptkein physischer Körper einem vollkommen mathematischen in seineridealen Form gleich sein kann), daß es vielmehr noch manche Ab-weichungen auch vou der Sphäroidalgestalt darbietet, welche erstdas fortgesetzte Streben der Wissenschaft nach Jahrhunderten aufdas genaueste zu ermitteln im Stande sein wird. So ist es zuverstehen, wenn man die Erde einen polyedrischen Körper genannthat. Für allgemeine Größen- und Inhaltsbestimmungen der Erdesind die aus jener Unglcichförmigkeit hervorgehende» Unterschiedenoch zu wenig ermittelt und auch zu gering für das Erdganze,um in Betrachtung gezogen zu werden.

Bei geographischen Beschreibungen nud Abbildungen der Erd-kugel verschwindet die angegebene Differenz der Polar- und Aequa^torial-Durchmesser, so wie die Abweichuug des Sphäroids vonder Kugelgestalt, vollends den Sinnen. Bei der Zeichnung einesKreises selbst von ziemlicher Größe ist das Abplattuugsvcrhältuißder Erde gauz unmerkbar. Hätte der Diameter des Kreises auch2! Fuß Länge, so würde die Abplattung noch keine Linie betragen; bei dem Erdglobus von 18 Zoll Durchmesser nur ^ Li-nie, kaum die Dicke des Papiernberzuges des Globus.

Aber in der Natur selbst ist die Differenz der Diameter,der Abplattungen und wechselndeil Abrnndnngen, von ganz an-derer Bedeutung als in ihrem Miniaturbilde. Der quantitativeUnterschied ihrer Masse und die damit modificirte Attractionskraftsind für die von der Erde ausgehenden Pcrtnrbationen andererPlaneten gewiß nicht ohne Bedeutung. Für terrestrische Verhält-nisse selbst muß wohl die charakteristische Ungleichförmigkeit in derGesammtbildnng eines abnormen Erdsphäroids allerdings fürmehr als hinreichend angesehen werden, um so manche Ungleich-artigkeit ihrer eigenen Oberfläche theilweise wenigstens darausherzuleiten. Es gilt das vor Allem von der so ungleichartigenVertheilnng von Wasser und Land, die uns iu scheinbarer Regel-