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Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
Entstehung
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Zweite Abtheilung.

Genauere Betrachtung der Oberfläche der Erde.

Wir gehen nach den einleitenden Vorträgen zu der unmittel-baren Betrachtung der Oberfläche des Erdballs über.

Mit dem flüssigen Theile der Erdoberfläche beschäftigt sichdie Hydrographie, mit dem festen, rigiden die Geographieim eigentlichen Sinne.

Die Hydrographie übergehen wir. Abgesehen davon, daß sieuns in fast unermeßbare Gebiete führen würde, bildet ihr eigent-liches Studium einen Theil der Nautik. Wir können endlich auchdarum getrost an ihr vorübergehen, weil wir vorzügliche Werkeüber die Oceanographie besitzen. Wir wenden uns also zu demFestlande und werden die flüssige Masse nur in sofern mit in denKreis der Betrachtung ziehen, als sie auf die feste Masse vonEinfluß ist.

Land nennen wir die vom Meeresspiegel unbedeckte Erd-oberfläche, sowohl das eigentliche Festland im engern Sinne (Con-tinent), als auch die Inseln: der Unterschied beider ist ja mirrelativ. Zum Festlande gehören also auch alle Einsenkungen des-selben, selbst wenn sie von süßem Wasser, wie von Seen oderFlüssen eingenommen sind. Das Festland ist ein Continuum vonUnebenheiten im Gegensatz des Meeres, das nur eine gleicheMeeresfläche darbietet. Ebenheit bezeichnet horizontale Gleichheitder Oberfläche; Unebenheit den Contrast von tief und hoch. Ma-thematische Ebenheit fehlt gänzlich auf der Erdoberfläche, und auchGleichheit im physischen Sinne ist eine große Seltenheit. Sie istimmer nur auf geringe Räume eingeschränkt, ineist alte Seeboden ,die nach der Befreiung von ihrem Wasserstande wagerecht er-scheinen, wenn sie es auch nicht sind. Die norddeutschen Ebenensind immer noch sanftwelliger Boden. Die ungarische Donau -