Druckschrift 
Allgemeine Erdkunde : Vorlesungen an der Universität zu Berlin gehalten / von Carl Ritter
Entstehung
Seite
83
Einzelbild herunterladen
 

Hochländer und Tiefländer.

83

Berichtigung und endlichen Feststellung fähig bleibt. Wir unter-scheiden nicht blos ein relatives, sich auf das Verhältniß zumMeeresspiegel beziehendes, sondern ein absolutes Hochlandund Tiefland auf der Erde. Es soll damit keine Definition,keine Erschöpfung des Begriffs gegeben sein, sondern nur dasVerhältniß des Gegensatzes in der äußern Erscheinung fürverständlichen Sprachgebrauch bezeichnet werden.

Die großen Länderstrecken mit sehr geringer mittlerer Erhe-bung nennen wir Niederungen oder Tiefländer. Es sindmeisteutheils flache, weite Länderflächen mit geringen Erhebnugen.Die großen Länderstrecken mit sehr bedeutender mittlerer Gesainmt-erhebuug uenneu wir dagegen Hochländer der Erde, öfters auchPlateauländer genannt. Hochländer oder Plateauländer könnenauf ihrem Rücken große Horizontalflächen tragen, aber auch wel-lige oder gehügelte Oberflächen haben, oder anch von sehr hohenHervorragnngcn bedeckt sein. Dies ändert das Wesen ihres Cha-rakters nicht um, das in dem stetigen Znsammenhange der bedeu-tend hoheu Massen besteht, also geschlossene Massenerhebung derErdrinde ist. Der mannigfache mögliche Wechsel ihrer Ober-flächen bezeichnet nur verschiedene Modificationen derselben, diedenn auch wohl mit deu Ausdrücken Flachland, Ebene, Wellen-land, Hügelland, Bergland, aber nur in einem andern, nämlichblos relativen Sinne bezeichnet werden können.

Auch ans der Form der Niederung oder des Tieflandes kön-nen hier und da einzelne Kegel oder Höhen emporsteigen und sieauf kürzere Strecken unterbrechen, wenn sie sich nnr in ihremWesen der Niederung weiter im Zusammenhange ihrer Theilegleichartig fortsetzt.

Die Hochländer liegen meisteutheils mehr nach dem Innernder Continente zu, die Tiefländer mehr an den Küsten der Meere.Doch giebt es auch Ausnahmen.

In den gegenseitigen Begrenzungen der Hoch- und Tiefläu-

6*