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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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seitige Einkommenssteigerungen möglichst zu unterbinden.Ansere ganze Kriegsfinanzierung, die Art der Bezahlung vonKriegsleistungen, die Erhebung von Steuern, namentlich vonKriegsgewinnsteuern, wäre eine ganz andere gewesen; viele Argu-mente, die man gegen die letzteren angeführt hat und deren Be-rücksichtigung sehr ungünstig gewirkt hat, wären unterblieben.

An einer wirklichen Einsicht in die Zusammenhänge von Geld,Preisen und Einkommen hat es aber völlig gefehlt, sehlt es heutenoch in dem größten Teil der Wissenschaft, die sich feit Jahrzehntenim wesentlichen auf die Untersuchung historischer Kausalzusammen-hänge beschränkte, und fehlt es erst recht natürlich in der Praxisdes Erwerbslebens und der Staatsverwaltung. In keiner der zahl-losen Erörterungen über die Kriegs- und Übergangswirtschafthabe ich die hier hervorgehobenen Gesichtspunkte auch nur an-gedeutet gefunden, geschweige denn, daß eine wirklich wissen-schaftliche Begründung geliefert wurde.

Aber noch weiter. Im Weltkriege haben fast mehr als diePreissteigerungen im Inlands, die man auf die natürlichen Ver-hältnisse der Abschließung und des Mangels an Rohstoffen undArbeitskräften zurückführte, die Tatsachen des Valutarück-ganges die Wissenschaft beschäftigt. Er ist in der Tat eines derwichtigsten Probleme, die sich aus dem Kriege überall ergeben;denn es ist klar, daß der internationale Tauschverkehr, auf denwir und alle anderen Nationen angewiesen sind, außerordentlichleiden muß unter den gewaltigen Verschiebungen, die sich in derBewertung der Währungen der einzelnen Länder und überhauptin ihren ausländischen Forderungen und Schulden vollzogen haben.Aber gerade hier zeigt sich das Versagen der bisherigen Wirt-schaftstheorie und die herrschende Anklarheit über die wirtschaft-lichen Zusammenhänge in erschreckender Weise. Die extremstenAnsichten stehen sich hier gegenüber und werden in einer Weisevertreten, die das Unvermögen der heutigen Wissenschaft, dieTauschvorgänge richtig zu verstehen, deutlich erkennen lassen. Dieeinen behaupten, daß der ausländische Wechselkurs mit dem in-ländischen Preisniveau gar nichts zu tun habe, daß er einzigund allein durch die Zahlungsbilanz des betreffenden Landesbestimmt werde. Die anderen dagegen wollen im ausländischenWechselkurs den Ausdruck des Amfangs der inländischen Inflationfinden und glauben, die Proportionalität beider statistisch fest-

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