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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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stellen zu könne». Eine wirklich wissenschaftliche Begründungaber, die natürlich in der Theorie und Erklärung der Preisbildungfußt, schenken sich beide Parteien.

Die letztere Ansicht, obgleich sie, wenn auch übertrieben, dochimmerhin die richtigere ist, hat allerdings nur einen namhaftenVertreter. Der schwedische Nationalökonom Gustaf Cassel hat das Sinken der deutschen Valuta mit einer Inflation in Zu-sammenhang gebracht und sieht sogar in der Geldvermehrungdie einzige Arsache unserer gesunkenen Valuta. In seiner 1916erschienenen Schrift:Deutschlands wirtschaftliche Wider-standskraft", in der er sich übrigens durchaus deutschfreundlicherweist, behauptet er diese nicht nur für Deutschland , sondern ganzallgemein. Auf Grund der herrschenden Unklarheit über dasWesen des Preises und die Grundlagen der Preisbildung wendeter eine extreme Quantitätstheorie auf die ausländischen Wechsel-kurse an und behauptet, daß der ausländische Wechselkurs derAusdruck des inländischen Preisniveaus, also der Kaufkraft desGeldes sei. Er berechnet auf Grund der Indexziffern in den ver-schiedenen Ländern vor und in dem Kriege Inflationsziffern, stelltdem Kurs der Mark im Auslande die Vermehrung der Amlaufs-mittel im Kriege im Verhältnis zum Friedensumlauf gegenüberund findet eine Proportionalität beider. Ich habe nun schon inder eingehenden Kritik der Quantitätstheorie, die ich inGeldund Gold" geliefert habe (Kapitel III), betont, was sich bei einerrichtigen Preistheorie von selbst ergibt, daß jedes Operieren mitIndexziffern, mit einem durchschnittlichen Preisniveau, willkürlichist und die ganz verschiedenartige Bewegung der einzelnen Preiseund die Ursachen von Preisveränderungen überhaupt verkennt,denn es steigen fast nie alle Preise, und wenn auch, so in äußerstverschiedenem Amfange. Mit jeder Preisveränderung verändernsich aber auch die Einkommen, und diese Einkommensverände-rungen sind dann wieder die Arsachen von weiteren Preisver-änderungen, die aber nicht mit Durchschnittsziffern erfaßt werdenkönnen. Auch läßt sich weder der Amfang der Friedens-, nochder Kriegszirknlation genau feststellen, ganz abgesehen davon,daß es, wie man mit einer richtigen Geldtheorie erkennt, über-haupt nicht allein auf die realen Zahlungsmittel ankommt.And ferner: wenn man schon willkürlich ein durchschnittliches in-ländisches Preisniveau errechnet und seine Veränderung in Pro-22