zenten zu einem Anfangspreisniveau ausdrückt, warum in allerWelt soll denn die Veränderung des ausländischen Wechselkursesgerade dieser Veränderung des Preisniveaus entsprechen? Aufdessen Verhältnisse sind, gerade jetzt im Kriege, so viele besondereFaktoren von Einfluß, die mit dein durchschnittlichen inländischenPreisniveau, immer vorausgesetzt, daß die Errechnung einessolchen überhaupt einen Sinn habe, nichts zu tun haben: die augen-blicklichen Export- und Importverhältnisse nach und aus den be-treffenden Ländern, die sonstigen Schulden und Forderungen ihnengegenüber, ferner politische Momente, Sym- und Antipathien,Beurteilung der militärischen, politischen und wirtschaftlichenLage, künstliche Beeinflussung des Devisenmarktes usw. Nichtigist nur, daß die Bewertung unseres Geldes im Auslande auch einPreis ist, der mit allen Preisen des Inlandes ausgedrückt in derausländischen Währuug in Zusammenhang steht. Aber es ist keinGrund einzusehen, weshalb dieser Preis einem so willkürlich er-rechneten Preisdurchschnitt entsprechen soll.
Daher ist die übrigens auch nur sehr annähernde Verhält-nismäßigkeit von Geldvermehrung und ausländischem Wechsel-kurs etwas rein Zufälliges, und ein statistischer Beweis dafürist unmöglich. Vielmehr läßt sich statistisch ebensogut das Gegen-teil beweisen, wie z. B. von Oktober bis November 1915 dieReichsindexziffer von 41,90 auf 38,86 gefallen ist, während gleich-zeitig der Reichsbankausweis eine Vermehrung der Noten undder Zirkulatiou von Darlehenskassenscheinen angibt. Doch sindalle Indexziffern so willkürlich und das Operieren mit allen diesenZahlen in so hohem Grade unsicher, daß es sich wirklich nicht ver-lohnt, auf solche statistische „Beweise" näher einzugehen.
Wenn es daher verkehrt ist, in dem ausländischen Wechsel-kurs einen Ausdruck des „inländischen Preisniveaus" zu sehen, soist eS doch auf der anderen Seite noch verkehrter und nur durch dasFehlen jeder richtigen Preistheorie erklärlich, wenn vielfach be-hauptet wird, daß der Wechselkurs mit den inländischen Preis-veränderungen gar nichts zu tun habe, sondern nur das Ergebnisdes Zahlungsverkehrs mit dem betreffenden Lande sei. Eine der-artige Behauptung ist in den vielen Erörterungeil über die Gründedes schlechten Standes unserer Valuta sehr oft ausgesprochen wor-den. Es sei nur eine Stelle aus der neuesten Schrift von F. Ben-dixen , „Das Inflationsproblem", Finanzwissenschaftliche
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