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Die Geldvermehrung im Weltkriege und die Beseitigung ihrer Folgen : eine Untersuchung zu den Problemen der Übergangswirtschaft / von Robert Liefmann
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nicht mehr zu sagen, daß es dabei nicht darauf ankommt, ob einBestand an realen Gütern" dahinter steht, sondern nur, ob dieseKredite auf Grund von in: Tauschverkehr erzielten Erträgen ge-währt werden. Deren Vermehrung allein entsprechend darfvermehrte Kreditgewährung vorgenommen werden, wenn nicht beigrößeren! Amfang die neue, künstlich geschaffene Kaufkraft das bis-herige Preis- und Einkommensystem ins Wanken bringen soll. Dennnichts anderes als solche künstlich erzeugte, nicht aus dem Tausch-verkehr entstandene und im Rahmen aller seiner Preise und Ein-kommen kalkulierte Erträge sind es dann, die dem Staate über-wiesen werden. Mag der Staat an sich noch soviel Vertrauen ge-nießen, nicht auf was, aufGruud welcher Sicherheit, welcherWerte"der Kredit gewährt wird, nicht was als Deckung dient, sondernwomit er gewährt wird, ist für die Wirkungen auf die Preiseentscheidend. Daher ist auch solche Kreditgewährung verhältnis-mäßig unbedenklich, wenn die Vorschüsse an den Staat alsbalddurch neue Steuern oder Anleihen, die aus den Erträgen oder ausdem verfügbaren Kapital der Volkswirtschaft stammen, konsoli-diert werden. Sie ist aber um so gefährlicher, je weniger die .Heran-ziehung wirklicher Erträge und verfügbarer Geldkapitalien für dieseZwecke möglich ist.

Schließlich sei noch auf eine Frage eingegangen, die wiederumdeutlich zeigt, daß die schönste isolierte Geldtheorie zur Erklärungder tatsächlichen Probleme wertlos ist und daß nur ein geschlossenestheoretisches System, das den ganzen tauschwirtschaftlichenMechanismus einheitlich erklärt, volle Klarheit zu bringen vermag.Manche Leser werden vielleicht schon an dem Satz, daß nicht dasGeld, sondern daß die Einkommen die Güter kaufen, Anstoß ge-nommen haben und darauf hinweisen, daß doch viele Güter, jagenau genommen die große Mehrzahl aller Güter auch aus demKapital oder dem Vermögen gekauft werden oder, wie wirrichtiger sagen wollen, daß auch Kapital und Vermögen, nicht nurdie Einkommen, Amsätze herbeiführen. Einige haben deswegenauch schon meine abstrakte Geldauffassung, der sie im übrigen bei-stimmten, zu verbessern gesucht, indem sie statt Einkommen Kapitaloder Vermögen setzten. Dabei ist aber zu berücksichtigen, daß dieseBegriffe in der bisherigen materialistischen Theorie eine ganzandere Bedeutung haben, mit der man in der abstrakten Geld-auffassung nichts anfangen kann, indem sie dort Gütermengen

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